Theo-Hespers-Stiftung e.V.

"Die Erneuerung der
Lebensverhältnisse
ist aber nur dann praktisch
durchführbar, wenn ihr eine
neue Gesinnung zu Grunde liegt."
Theo Hespers 1938

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Unser Projekt

Dennis & Kim

Audio Polit-Novella "Denis und Kim"

Audio-Polit-Novela

Eine Liebesgeschichte in 12 Folgen

Kein Sex mit Nazis? Die 17-jährige Kim, seit einiger Zeit in rechtsextremen Kreisen unterwegs, und der ebenfalls 17-jährige Dennis, Gymnasiast mit gänzlicher anderer Weltanschauung, verlieben sich Hals über Kopf. Die Geschichte nimmt ihren Lauf … Eine Audio-Novela der Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Alle Folgen zum Herunterladen

Dennis & Kim - Der Trailer | Trailer herunterladen (mp3, 1,66 MB)

Folge 1: Und Bäng! | 6 Min. 04 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 8,34 MB)
Folge 2: Falsche Seite | 4 Min. 46 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 6,55 MB)
Folge 3: Vollmacke | 5 Min. 57 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 8,18 MB)
Folge 4: Bekenntnisse | 6 Min. 01 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 8,26 MB)
Folge 5: Es knallt | 5 Min. 17 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 7,26 MB)
Folge 6: Versöhnung | 5 Min. 11 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 7,12 MB)
Folge 7: Fliegen | 5 Min. 26 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 7,48 MB)
Folge 8: Im Bett mit Nazis | 6 Min. 04 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 6,55 MB)
Folge 9: Guten Abend Frau Baumann | 4 Min. 35 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 6,30 MB)
Folge 10: Nur noch einmal | 6 Min. 53 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 9,46 MB)
Folge 11: Du bist raus! | 4 Min. 37 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 6,35 MB)
Folge 12: Komm zurück | 6 Min. 33 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 8,99 MB)

Logo Bundeszentrale für politische Bildung

Rückschau auf den 27. Januar 2018

Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

(Internationalen Holocaust-Gedenktag)

Foto: Neues Ernst-Christoffel-HausIm neuen Ernst-Christoffel-Haus, dem evangelischen Gemeindehaus an der Wilhelm-Strauß-Straße in Mönchengladbach-Rheydt, fand die diesjährige Gedenkstunde für alle Opfer des National- sozialismus statt.

 

Eingeladen hatten die beiden Mitgliedsvereine des "Gladbacher Haus der Erinnerung", die Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit und die Theo-Hespers-Stiftung.

Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt dazu, sie zu wiederholen

(Georg Santayama, spanischer Philosoph, 1863 – 1952 | und von weiteren Menschen)

Lesen Sie die beiden Referate von Prof. Dr. Beate Küpper, Hochschule Niederrhein, - sie spricht über den aktuellen Antisemitismus und informiert über die Empfehlungen des zweiten unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus des Deutschen Bundestages, in dem sie Mitglied war und von Karl Boland, Politologe, - er erinnert an einige historische Ereignisse der Weimarer Republik, insbesondere in den Jahren 1923 bis 1933, oder

megaphon 20pxhören Sie sich die Tonaufnahmen der Veranstaltung an.

Musikalischer Rahmen: Jürgen Löscher/Bassklarinette

 

Programm

zur Begrüßung von Ferdinand Hoeren megaphon 20pxAnhören

zum Redebeitrag von Karl Bolandmegaphon 20px Anhören

zum Redebeitrag von Prof. Dr. Beate Küpper megaphon 20pxAnhören

Musik megaphon 20px "Sarabande" | "The Wedding Waltz" | freie Improvisation |1. Etüde aus den "48 Etüden für Klarinette"

zu den Informationen der Musikbeiträge

 Bild1Podium

megaphon 20pxErstes Musikstück von Jürgen Löscher "Sarabande"

Fragen:

  • Wie ist das aktuelle Klima einzuschätzen?
  • Helfen Lehren aus der deutschen Geschichte, mit dieser Situation umzugehen?
  • Was können, was müssen Demokraten tun?

Bild: Ferdinand HoerenFerdinand Hoeren, Vorsitzender GHE e.V./THS e.V.

Begrüßung

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Sehr geehrte Damen und Herren, im Namen des „Gladbacher Haus der Erinnerung“ begrüße ich Sie herzlich zu unserer heutigen Gedenkstunde. Heute am 27. Januar ist seit 1997 der gesetzlich verankerte Deutsche Gedenktag an alle Opfer des Nationalsozialismus. Diesen hat Bundespräsident Roman Herzog eingeführt als Tag des Erinnerns mit dem Ziel, dass solche menschenverachtenden Verbrechen niemals wieder geschehen dürfen. Zugleich ist er der Holocaust-Gedenktag, den die UNO im Jahr 2005 zum 60. Jahrestag der Befreiungdes Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 beschlossen hat.

Wir, das „Gladbacher Haus der Erinnerung“ fühlen uns verpflichtet für diesen Tag eine Gedenkstunde zu organisieren.

Die gesellschaftspolitischen Ereignisse im Jahr 2016 hatten uns bewogen, den 27. Januar 2017 unter einen Ausspruch von Bertolt Brecht zu stellen:

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

Wegen der Ereignisse in 2017 haben wir ein Zitat des spanischen Philosophen Georg Santayama gewählt:

„Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt dazu, sie zu wiederholen“.

Dazu möchte ich ganz besonders begrüßen: Unsere Referentin Frau Prof. Dr. Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein, die Mitglied des zweiten unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus des Deutschen Bundestages war, und unseren Referenten , den Politologen, Herrn Karl Boland sowie unseren Künstler und Musiker, Herrn Jürgen Löscher. Sehr geehrte Damen und Herren, ich hoffe, wir werden in dieser Gedenkstunde an Bekanntes erinnern und Neues erfahren, das uns sowohl nachdenklich stimmt als auch zum Handeln bewegt.

 

megaphon 20pxZweites Musikstück von Jürgen Löscher "The Wedding Waltz"

 

Bild2 Referent Karl BolandKarl Boland, Politologe

Einige Bemerkungen zum politischen Aufstieg der NSDAP und zum Untergang der Weimarer Demokratie

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Ich bin für heute eingeladen worden, um als Mitglied des Vorstandes der Theo-Hespers-Stiftung einige Ausführungen zu machen zum Problem des Aufstiegs der NSDAP zur politischen Herrschaft im Laufe der Weimarer Jahre bis 1933. Ich will dies tun mit einem gewissen Seitenblick auf die damaligen Verhältnisse in Mönchengladbach und Rheydt. Ich glaube, wir können einige Zusammenhänge besser erkennen, wenn wir uns den Weg der NSDAP von einer Gruppe politischer Abenteurer am rechten Rand der bayerischen nationalistischen Rechten zu einer radikalen und straff organisierten Partei mit Massenanhang, mit einer Parteimiliz und Kontakten bis in höchste gesellschaftliche Kreise, vor Augen führen. Eine Partei, die spätestens ab 1930 die politische Szene im Deutschen Reich lautstark beherrscht, im rechten Lager den politischen Stil vorgibt und weitgehend überall in politischen Kämpfen mit Gewaltaktionen und viel Rummel präsent ist.

Ich will beginnen mit den Voraussetzungen für die politische Situation im Weimarer Staat, die im Ersten Weltkrieg entstanden sind.

Das, was die Nazi-Partei als den „Nationalen Sozialismus“ bezeichnete, entstand in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges 

Der Untergang des Deutschen Kaiserreichs nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg war für die bürgerliche Welt – und nicht nur diese – mit einer Traumatisierung verbunden. Hatte man doch geglaubt, mit diesem Krieg in recht kurzer Zeit die Welt von der deutschen Überlegenheit zu überzeugen und noch dazu mit Hilfe von Gebietsgewinnen in West und Ost und großen Reparationszahlungen v.a. aus Frankreich eine deutsche Vorherrschaft in Europa zu errichten. Der Krieg war eine ideologisch begründete Mission und dazu auch noch ein Geschäftsmodell: Die Bürger konnten sich über den Kauf von Kriegsanleihen an diesem Unternehmen gewinnbringend beteiligen. Das, was die Nazi-Partei als den „Nationalen Sozialismus“ bezeichnete, entstand in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges. Jene vermeintliche Aufhebung der Klassengesellschaft im Zeichen der Soldatenkameradschaft und der gemeinsam erlebten Nähe zum Tod. Und das sog „Augusterlebnis“, jene gemeinsame Kriegsbegeisterung insbes. im jungen bürgerlichen Männerpublikum nach dem kaiserlichen Mobilisierungsbefehl im August 1914 sollte als „Volksgemeinschaft“ von der Nazi-Partei nach der sog. Machtergreifung 1933 auf Dauer gestellt werden – nichts weniger war das Projekt dieser Partei. Sie verstand das als ein groß angelegtes Erziehungsprojekt. Die Niederlage des Krieges wurde mit der sehr populären „Dolchstoßlegende“ gedeutet. Demnach war das deutsche Heer im Felde unbesiegt geblieben und die Niederlage resultierte aus defätistischen Machenschaften der Sozialdemokratie und politischer Konspiration sog. „internationaler Kreise“, womit das Judentum und der römische Katholismus gemeint waren. Diese Feinddefinition war damals in deutschnationalen Kreisen Konsens und wurde von der Nazi-Partei später mit blutiger Gewalt vollstreckt: Deren Lehre aus dem Ersten Weltkrieg hieß: eine Revanche für den verlorenen Krieg wird und muss es geben – allein schon wegen der Millionen deutscher soldatischer Kriegsopfer, die man als unbedingt verpflichtendes Erbe des Krieges ansah, und bevor diese Revanche praktisch in Angriff genommen konnte, musste die innere Opposition im Deutschen Reich physisch und ideologisch unschädlich gemacht werden. Davon ließ sich die Nazi-Partei zu keinem Zeitpunkt abbringen. Einer der radikalsten Ideologen des „totalen Krieges“, der zwischen Kriegsfront und Heimatfront und zwischen Soldaten und Zivilisten zum Zwecke der Kriegsmobilisierung keinen Unterschied mehr gelten lassen wollte, war Erich Ludendorff, der zusammen mit Paul von Hindenburg im Weltkrieg ab 1916 die mit quasi diktatorischer Macht agierende 3. „Oberste Heeresleitung“ gebildet hatte. Ludendorff war bei dem von Hitler inszenierten Putschversuch, dem „Marsch auf die Feldherrenhalle“, im November 1923 in München dabei. Er war der Mann, der die Dolchstoßlegende in die Welt gesetzt hatte und den Mythos von der Machbarkeit eines erfolgreichen Revanchekrieges begründete, wenn man nur das Problem der „internationalen Verschwörung“ in den Griff bekäme.

Die rechtsradikalen Gewalttäter erfuhren in diesem Zusammenhang von der Rechtsprechung eine deutliche Schonung gegenüber den Gewalttätern von links 

Bild5AuditoriumDie ersten Jahre der Republik von Weimar waren von Bürgerkriegsszenarien und politischen Attentaten in verschiedenen Regionen des Deutschen Reiches gekennzeichnet. Hier muss man die Namen Matthias Erzberger und Walter Rathenau nennen, gegen die man von rechts als sog. „Erfüllungspolitiker“ oder „Novemberverbrecher“ maßlos agitiert hatte. Die rechtsradikalen Gewalttäter erfuhren in diesem Zusammenhang von der Rechtsprechung eine deutliche Schonung gegenüber den Gewalttätern von links. Hitler zog sozusagen als „Ehrenmann“ nach seiner Verurteilung in die Festung Landsberg ein und verlies diese vorzeitig wieder, um dann den sog. Legalitätskurs seiner Partei zu entwickeln. Die Reichsregierungen arbeiteten damals bereits mit Sondervollmachten des Reichspräsidenten, die der Art. 48 der Reichsverfassung möglich machte und womit man den Reichstag auf Zeit ausschalten konnte. Dies war keine Besonderheit in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Nur in den frühen Jahren wurde diese Präsidialvollmacht nicht genutzt, um eine Regierung an die Macht zu bringen, die klar ankündigte, die demokratische Republik abschaffen zu vollen.

Die Schuldigen an der deutschen Inflation waren die Siegermächte des Weltkrieges 

Ein weiterer Schritt in der Abwendung breiter Wählermassen von der Weimarer Demokratie ist mit den Umständen und den Folgen der Inflation im Jahre 1923 verbunden. Die Jahre der Inflation waren die Zeit der Glückritter, Spekulanten und Konzerngründer – die alltägliche Kriminalität stieg zum Schluss ins Astronomische. Breite Volkskreise wurden im Zuge der Währungsreform 1924 materiell enteignet. Alle, die Kriegsanleihen gezeichnet hatten, Sparkonnten oder Hypothekenforderungen besaßen oder nominale Geldleistungen erhielten, standen vor dem Nichts. Auch hier war wieder schnell ein Mythos aus der rechten Propaganda zur Hand: Die Schuldigen an der deutschen Inflation waren die Siegermächte des Weltkrieges mit ihren maßlosen Reparationsforderungen und das internationale Geldjudentum. Mit der Inflation verbunden war ein erster spürbarer Schub des populären Antisemitismus in den Weimarer Jahren. In den Augen derjenigen, die sich als die Opfer der Inflation sahen, war die Republik weitgehend diskreditiert.

Der Konfessionsfaktor war im Weimarer Staat ein harter Indikator für die Zugehörigkeit zum sog. „nationalen Lager“

Als ein „Wetterleuchten“ für die weitere Entwicklung der Weimarer Republik auf ihrem Weg zu ihrem Niedergang kann man das Ergebnis der Reichspräsidentenwahlen von 1925 deuten. Nach dem Tod von Reichspräsident Friedrich Ebert wurde im zweiten Wahlgang von einem aus rechten Kreisen bestehenden Interessentenkreis Paul von Hindenburg, der populäre Generalfeldmarschall und Held des Ersten Weltkrieges, als Wahlkandidat aufgestellt und propagiert. Hindenburg hatte die Kandidatur nur wiederstrebend angetreten und galt eher als Stellvertreter des im Exil weilenden Kaisers, denn als Vertreter der Republik. Aus seiner Distanz zum Parteienstaat und seiner monarchistischen Grundeinstellung machte Hindenburg nie einen Hehl. Die Tragik dieser Wahl bestand auch darin, dass es den Gründungskräften der Weimarer Republik, nämlich Sozialdemokratie, Zentrum und DDP zwar gelang, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen, doch es reichte nicht. Der Zentrumsmann Wilhelm Marx hätte alle Chancen gehabt, die Wahl für sich zu entscheiden, doch die Bayerische Volkspartei – sozusagen eine Schwesterpartei des Zentrums, unterstützte Marx nicht. So gewann der Republikgegner Hindenburg die Wahl und über seine weitere tragische Rolle wissen wir Bescheid. Er ist der Mann, der im Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. In Rheydt bekam Hindenburg relativ deutlich mehr Wahlstimmen als in Mönchengladbach, obwohl in beiden Städten das Zentrum bei Wahlen die stimmenstärkste Partei war. Das lag an der monarchistisch und preussisch-protestantischen - also deutschnationalen Grundeinstellung, die in Rheydt immer deutlich zu spüren war. In Mönchengladbach herrschte eher ein linkskatholisches Milieu vor. Diese gerade erwähnte Grundhaltung zog sich bis zu den letzten Wahlen im Frühjahr 1933 durch. In Rheydt bekam das rechte Lager, das am Ende so gut wie gänzlich von der NSDAP aufgesogen war, relativ immer ca. 10% mehr Stimmen als in Mönchengladbach. Der Konfessionsfaktor war im Weimarer Staat ein harter Indikator für die Zugehörigkeit zum sog. „nationalen Lager“. Der deutsche Protestantismus fühlte sich im Kaiserreich und in der Republik immer mehr dem „nationalen Zusammenhalt“ der Deutschen verpflichtet als es bei den Katholiken üblich war. Dieser suchte die Gemeinsamkeiten der Deutschen eher im „sozialen Bereich“ und hielt sich deswegen von deutschnationalen Umtrieben fern. Das war auch der Grund für die sehr unterschiedliche Haltung von Protestanten und Katholiken zur Nazi-Partei.

Der Weimarer Staat kannte die Todesstrafe 

Ebenso aufschlussreich für die immer weiter nach rechts driftende Stimmung in der Gesellschaft des Weimarer Staates war die Frage der Praktizierung der in der Rechtsprechung weiterhin ausgesprochenen Todesstrafe. Der Weimarer Staat kannte die Todesstrafe, die Gerichte sprachen sie auch aus, doch wurde sie nur noch gegen ganz wenige spektakulär verurteilte Gewalttäter exekutiert – hier nenne ich mal die beiden Massenmörder Kürten aus Düsseldorf und Harmann aus Hannover. Diese Haltung wurde dem Weimarer Staat in der rechten Agitation als Schwäche ausgelegt. Man sprach der Republik den Willen und die Fähigkeit ab, die Bürgerinnen und Bürger wirkungsvoll gegen Gewaltkriminalität zu schützen. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht ein Streit in der Gladbacher Lokalpresse – einmal das Naziblatt „Volksparole“ und die Zentrumszeitung „Westdeutsche Landeszeitung“ in der Zeit vor der sog. Nazi-Machtergreifung. Das Zentrumsblatt argumentierte engagiert gegen eine Ausweitung der Todesstrafe, doch die „Volksparole“ wollte in dieser Haltung nur eine Schwäche sehen – Humanität wurde als „Humanitätsduselei“ verhöhnt.

Nationale Sammlung und der Gedanke einer möglichen Revanche waren jetzt eine Botschaft, die kaum zu übersehen war 

Zum Schluss noch ein paar Sätze zu einem weiteren symbolischen Anzeichen für das Platzgreifen einer rechts-nationalistischen Stimmung in der zweiten Hälfte der Weimarer Jahre. Die Nachkriegsgesellschaft hatte nach 1918 ob der bislang vollkommen unbekannten hohen Zahl von Todesopfern einen sehr populären und bislang nie dagewesenen Denkmalskult zu Ehren der zu Tode gekommenen Weltkriegssoldaten entwickelt. Das war in mehreren der am Kriege beteiligten Länder so. Herrschte gleich nach dem Kriege noch die persönliche Trauer und die christliche Hoffnung auf´s Himmelreich vor, so wandelte sich der Stil der gewählten Denkmalstypen in die Richtung einer neuen Ausdrucksweise: nunmehr sollten die gefallenen Helden zu einer Verpflichtung aufrufen, dass der Krieg und die mit ihm verbundenen Opfer nicht sinnlos gewesen sein durften. Nationale Sammlung und der Gedanke einer möglichen Revanche waren jetzt eine Botschaft, die kaum zu übersehen war. In Mönchengladbach ist der im Herbst 1932 fertig gestellte „Löwe“ ein solches Zeichen und erst recht das im Frühjahr 1934 auf dem städt. Hauptfriedhof aufgestellte Hochkreuz mit der Aufschrift „Für alle“ waren keine reinen Trauer-Ehrenmale mehr. Das Hochkreuz war eine stilistische Anleihe am sog. „Schlageter-Hochkreuz“ auf der Goltzheimer Heide in Düsseldorf und der Satz „Für alle“ sollte klarmachen, dass die nun zur Herrschaft gekommene Nazi-Partei keinen Unterschied mehr zwischen den „feldgrauen Helden“ des Weltkriegs und den “braunen Helden“ der sog. Kampfzeit der Partei dulden wollte.

Wir erkennen also an den wenigen Beispielen, die ich Ihnen vorgestellt habe, dass die Republik von Weimar einerseits unter sehr unglücklichen Rahmenbedingungen zu leiden hatte, andererseits aber auch nicht die Kraft aufbrachte, sich entschlossen gegeben die Angriffe auf die erste demokratische politische Ordnung zu wehren. Zu sehr waren Kräfte in der Rechtsprechung, der Reichswehr, der Wirtschaft und der alten gesellschaftlichen Kräfte des Kaiserreichs daran interessiert, die Republik von Weimar zu Fall zu bringen – dies auch zusammen mit einem ungeliebten, gewalttätigen und kriegsentschlossenen Bündnispartner, der dann später alle zusammen mit in den Untergang riss. Dieses Risiko wollte man damals nicht wahrhaben.

Dieser Bündnispartner, den sich die konservativen Mächte nur vorübergehend „engagieren“ wollten, um mit seiner Hilfe die Republik niederzumachen, drehte aber innerhalb nicht eines Jahres nach seinem Machtantritt den Spieß um: mit brutaler Gewalt und koordiniert- gezieltem Vorgehen schlug er alle gegnerischen Gruppierungen nieder, zerstörte die republikanischen Institutionen und besetzte die Schaltstellen der Staatsmacht mit seinen Leuten. Die als politische Feinde oder minderwertige Existenzen definierten Menschen wurden mit Gewalt verfolgt bzw. diskriminiert. Die NSDAP tat übrigens in dieser Hinsicht nichts Unbekanntes und Überraschendes, sondern sie exekutierte nur das, was ihr „Führer“ Adolf Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“ im Jahr 1924 sehr detailliert angekündigt hatte. Auch das wollten die alten Mächte nicht wahrhaben, als sie sich mit der NSDAP gegen die Republik verbündeten.

megaphon 20pxDrittes Musikstück von Jürgen Löscher eine "freie Improvisation"

 

Bild3 Beate KüpperProf. Dr. Beate Küpper, ehem. Mitglied des zweiten unabhängigen Experten- kreis Antisemitismus des Deutschen Bundestages

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Den Text zum Nachlesen wird in den nächsten Tagen hier erscheinen

Deutschland leistet sich als Staat im Grunde genommen, nicht wissen zu wollen, wie es um das Ausmaß von Antisemitismus und um das Ausmaß der Abwertung weiterer Gruppen bestellt ist.

Viertes Musikstück von Jürgen Löscher eine "1. Etüde aus den ´48 Etüden für Klarinette´"

Bild4: Jürgen Löscher an der Klarinette

Informationen zu den Musikbeiträgen

 

Erstes Musikstück

"Sarabande" aus der 2. Cello-Suite (aus den 6 Suiten für Cello) von Johann Sebastian Bach gespielt (in einer eigenen Übertragung für die Bassklarinette, die aber ganz nah am Original ist).

Eine Sarabande ist ein sehr langsames, getragenes Stück, hier ist die Tempoangabe "Largo", also sehr langsam. Diese Sarabande aus der 2. Suite in D-Moll ist ein gleichzeitig feierliches, aber auch etwas melancholisches und wie ich finde auch sehr ernstes Stück. Damit wollte ich zur Eröffnung der Gedenkveranstaltung mit einer feierlichen Stimmung in diese einführen.

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Zweites Musikstück

"The Wedding Waltz" des jüdischen Komponisten Jerry Sperling (*1929). Sperling lebt in New York, wo es bedingt durch viele jüdische Einwanderer und deren Nachfahren seit dem 19 Jahrhundert, von denen viele aus Osteuropa stammen, eine starke chassidische Tradition des Judentums gibt (stärker als z.B. in Israel). Die typische Musik der Chassiden war bzw. ist die Klezmer-Musik und dieser Tradition folgend komponierte Sperling viele solcher Melodien. Die jüdischen Traditionen in Osteuropa wurden durch die Ermordung der jüdischen Bevölkerung durch die Nazis praktisch völlig ausgelöscht, so dass die ´Chassidim´, ihre Traditionen und ihre Musik nur durch Flucht und im Exil überlebten. Vor diesem Hintergrund verbindet sich die Klezmer-Musik für mich besonders intensiv mit dem Holocaust, da sie eben die prägende musikalische Tradition der ausgelöschten osteuropäischen chassidischen Juden war. Allerdings muss man wissen, dass die Klezmer-Musik in Israel selber keine große Bedeutung hat, da in Israel nur vergleichsweise wenig Chassidim leben. Die größten chassidischen Gemeinden finden sich heute in den USA, vor allem in New York.

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Drittes Musikstück

Freie Improvisation. In dieser Improvisation habe ich versucht, mit den weiten und bisweilen extremen Klangmöglichkeiten der Bassklarinette musikalisch den von Karl Boland umrissenen geschichtlichen Faden aufzugreifen, der ja von der Weimarer Republik direkt nach der Machtergreifung der Nazis zum "Dritten Reich", dem 2. Weltkrieg und dem Holocaust weiter führt. Insofern wollte bzw. musste ich den eher ´schönen´ Melodien der anderen Stücke einen klanglich harten Kontrast gegenüber stellen.

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Viertes Musikstück

1. Etüde aus den "48 Etüden für Klarinette" von Alfred Uhl ausgewählt. Der Titel Etüde weist ja üblicherweise auf reine Finger- und Technikübungen hin, steht aber musikgeschichtlich auch oft für anspruchsvolle und melodisch ausgereifte Konzertmusik, wie z.B. die Klavier-Etüden von F. Chopin. So auch bei Uhl, der mit der 1. Etüde ein Stück komponiert hat, dass sehr weite und ruhige Melodischen Bögen über spannend kontrastierende harmonische Wendungen geschrieben hat. Da ich diese Gedenkveranstaltungen immer sehr aufwühlend und verstörend empfinde - was sie auch sein sollen -, wollte ich mit diesem Stück einen ruhigen und besinnlichen Ausklang setzen.

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zum Thema >>> 18.06.2011 - Stadtrundfahrt „Stätten der Erinnerung in Mönchengladbach"

WEB-TIPP

Ein Blog über das Leben des Widerstandskämpfers Theo Hespers und seiner Nachfahren von Nora Hespers.

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