Theo-Hespers-Stiftung e.V.

"Die Erneuerung der
Lebensverhältnisse
ist aber nur dann praktisch
durchführbar, wenn ihr eine
neue Gesinnung zu Grunde liegt."
Theo Hespers 1938

Rechte Tendenzen rund um Mönchengladbach

Foto: Rechte Tendenzen rund um Mönchengladbach _1Als wenn es dem noch bedurfte, um dem Referat des Aachener Journalisten Michael Klarmann eine aktuelle Bedeutung zu verleihen. Wenige Tage vor seinem Referat im "Haus der Regionen" des Bistums Aachen mit dem Titel "Rechte Tendenzen rund um Mönchengladbach" zog eine Gruppe mit weißen Masken, sogenannten "Totenmasken" und Pechfakeln durch unsere Nachbarstadt Willich. Dies war keine neue Aktionsform, bereits 2011 machierten die "Unsterblichen" nächtens bizarr durch ostdeutschen Landen.

Michael Klarmann blickt auf unsere Region

 
Klarmann 2Der Journalist recherchiert seit Jahren in der rechten Szene, wobei sein Hauptaugenmerk rechtsextremen Gruppen und Tendenzen in Aachen, Düren und im Kreis Heinsberg gilt.

Auf Einladung der Theo-Hespers-Stiftung referierte der freie Journalist im Haus der Regionen zum Thema „Rechte Tendenzen rund um Mönchengladbach“ und bezog in seinem Vortrag ausdrücklich die AfD mit ein. Die Partei stelle sich als in erster Linie wertkonservativ und wirtschaftsliberal dar und versuche auf diese Weise in der bürgerlichen Mitte zu punkten, so der Referent. Vor allem am Niederrhein gebe sie sich einen gemäßigten, seriösen Anstrich und trete als Partei auf, die sich deutlich vom rechtsextremen Lager abgrenze. Verstärkt werde dieser Eindruck durch Parteivertreter wie Holger Hexgen, die aus der Mittelschicht stammten, gut ausgebildet und gesellschaftlich etabliert seien. Trotz ihrer bürgerlichen Attitüde werde die AfD von Politikwissenschaftlern jedoch als rechtspopulistisch eingeschätzt, so Klarmann. Kennzeichnend dafür sei zum Beispiel die Tatsache, dass das Thema Migration oft mit Missbrauch und Verbrechen in Verbindung gesetzt werde. Für Klarmann bewegt sich die AfD seit der Abwahl Bernd Luckes im Jahr 2015 stetig weiter nach rechts.

Die AfD werde zum Auffangbecken von Rechtsextremen

Klarmann 3Der rechtspopulistische, völkisch-nationalistischen Flügel, vertreten von Björn Höcke, werde zunehmend stärker. Immer mehr Rechtsextreme betrachteten die AfD als „Bewegungspartei“ und hofften durch dies Partei ihr Gedankengut salonfähig machen zu können. Die Partei schöpfe das Wählerpotential rechter Gruppen und Parteien wie Pro NRW, Pro Köln, die Republikaner oder der NPD und alle rechten Stimmen rechts von der CDU ab.

Klarmann blickte in seinem Vortrag auch auf andere rechte und rechtsextreme Einflüsse in Mönchengladbach. Dominik Roeseler, Kandidat von Pro NRW und offiziell als Parteiloser im Stadtrat, habe sich arbeitsunfähig gemeldet und daher bisher kaum an einer Ratssitzung teilgenommen, sei aber bundesweit als Redner auf rechten Demonstrationen aktiv. Gegen ihn laufe eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Manfred Frentzen vertritt die NPD im Gladbacher Stadtrat. Diese Partei verliere zwar bundesweit an Bedeutung, habe jedoch in Mönchengladbach einen kleinen Hotspot.

Ein Zeichen dafür: Der NPD-Aufmarsch in der Stadt am 1. Mai 2015. Die so genannte "Identitäre Bewegung" sei in Mönchengladbach zeitweise aktiver gewesen, aktuell aber eher unauffällig, meinte Klarmann. Die identitäre Bewegung ist eine völkisch orientierte, subkulturelle Jugendbewegung, die sich zwar einen modernen coolen Anstrich gibt, dennoch von der Politikwissenschaft dem rechtsextremen Lager zugeordnet werde. Im Raum Aachen, Düren und Heinsberg würden mit Hilfe einer Gruppe namens „Syndikat 52“ die Strukturen der verbotenen Kameradschaft Aachener Land reaktiviert. Besonders Hückelhoven scheine Schwerpunkt der Aktivitäten zu sein. So versuche „Syndikat 52“ etwa sich durch Drohungen und Sprühaktionen eine Einflusszone in der Stadt aufzubauen, betonte der Journalist.

In den Jahren 2015 und 2016, zuletzt am Totensonntag 2016, rief die Gruppierung „MG steht auf“ zu mehreren so genannten Spaziergängen besorgter Bürger auf. Hinter diesen Pegida-ähnlichen Aufmärschen haben Organisatoren aus der rechtsextremen Szene gestanden, meinte der Rechtsextremismus-Experte. Auch die Rechtsrock-Szene hinterlässt ihre Spuren in Mönchengladbach. So sei Division Germania ein Rechtsrock-Projekt des Neonazis und mutmaßlicehem Hammerskins Andreas K. aus Mönchengladbach. Der Gladbacher sei bundesweit ein prominenten Vertreter der Szene, so Klarmann. Als besorgniserregend betrachtet der Aachener Journalist die zahlreichen Kommentare in den sozialen Medien, die auch von Mönchengladbacher Bürgern stammten. Hier würde aus der Mitte der Gesellschaft von Menschen, die keiner rechtsextremen Gruppierung angehörten, rechtes Gedankengut und Hassbotschaften formuliert – etwa gegen Geflüchtete, die Medien oder politisch Andersdenkende.

Aus der Presse

Fakelzug in Willich

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/willich/fackelzug-in-willich-erste-spur-fuehrt-in-rechte-szene-aid-1.7062828

http://www.bild.de/regional/duesseldorf/fluechtlingsheim/fackelzug-53097382.bild.html

Polizei alarmiert: Rechte Hooligan-Band soll bei „Outlaws“ auftreten

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/heinsberg/polizei-alarmiert-rechte-hooligan-band-soll-bei-outlaws-auftreten-1.1611768

Konzerte und Liederabende ziehen Neonazis in Scharen an

https://www.welt.de/politik/deutschland/article167507204/Konzerte-und-Liederabende-ziehen-Neonazis-in-Scharen-an.html