Theo-Hespers-Stiftung e.V.

"Die Erneuerung der
Lebensverhältnisse
ist aber nur dann praktisch
durchführbar, wenn ihr eine
neue Gesinnung zu Grunde liegt."
Theo Hespers 1938

30.08.2013 - Wir stehen auf und stellen uns quer!

Demonstration gegen "Pro Deutschand" vom 30. August 2013

Reden > Filmbeitrag > Nachberichterstattung

120 bis 140 Demokraten sind dem Aufruf des Mönchengladbacher Bündnis: "Aufstehen! - Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremis" gefolgt und versammelten sich am Freitag, 30.09.2013 um ab 9:30 Uhr unseren Protest kundzutuen. Der Grund war die Anreise der rechtspopulistischen Kleinpartei "Pro Deutschland" , die auf ihrer "Propaganda-Tour" Halt an der „Bilal Moschee“ auf der Nordstraße machte. Im Gegensatz zu uns sind nur sechs Agitatoren von "Pro Deutschland" anwesend. Um 9.00 Uhr starteten bereits über 60 Demokraten von der Ecke juedischer gedenkstein wilhelm strater strFriedrich‐Ebert‐/Mühlenstraße („Thälmannplatz“). Auf halber Strecke wurde "meditativ" Halt gemacht. Am Gedenkstein für die ehem. jüdische Synagoge in Rheydt an der Wilhelm-Strater-Straße erinnerte:

Eckerhard Goldberg, Pfr. i. R.

"Kurz anhalten hier: sehen, was ist, was war, was heute ist!

Seit 25 Jahren der Stein:

für zum Verstummen gebrachte jüdische Bürger von Rheydt,

zur Erinnerung an die hier gestandene Synagoge.

„Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“

…schweigen…: Rheydter jüdische Kinder, Frauen, Männer.

Bis vor 75 Jahren - ihr Versammlungshaus hier. 1938.

Auf der anderen Straßenseite:

„Wilhelm-Strater-Straße“, Hausnummer „42“,

die Adresse…-…gibt es nicht mehr.

Das Wohnhaus an der Stelle - andere Adresse.

75 Jahre zurück:

die Synagoge verwüstet, zerstört - nachts, zum 10. November.

Menschen: vertrieben, verfolgt, ermordet…

„Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“

Seit 25 Jahren - der Stein: schreien, rufen, sprechen…

…von den Menschen, zum Schweigen gebrachten. -

Die falsche Nachrede gegen sie, elend lang, religiös, national,

staatliches NS-Unrecht schließlich, NS-Gewalt.

 „Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“

Der Stein - klar und deutlich:

(Sie kennen die Worte:)


Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse,

seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens,

seiner religiösen oder politischen Anschauungen

benachteiligt oder bevorzugt werden.

(Aus unserem Grundgesetz.)

 

Alle Menschen sind gleich erschaffen.

Weil wir diese Wahrheit für selbstverständlich halten:

den Menschen heute Stimme geben,

unsere Stimmen erheben für sie."

 

Nach dem Zusammentreffen mit den weiteren bereits am Demonstrationsort anwesenden Demokraten hatte "Pro D" gegen unsere aktustische Gegenwehr wohl kaum eine Chance. Bemerkenswert war, dass die Redner sich fast ausschließlich uns Demokraten zuwendeten - ihre auf der anderen Seite hinter der Absperrung stehenden 4-5 "Unterstützer" nicht direkt ansprachen. Das eine "Pro D" Funktionärin als Rednerin in Vollverschleierung auftrat unterstrich ein weiteres Mal den Hetz-Charakter gegen Andersgläubige und "Fremde" bei dieser "Deutschland-Tour" von "Pro D".

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Rede von Ferdinand Hoeren (Sprecher des Bündnis)

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Mönchengladbacher Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich begrüße Sie herzlich im Namen des Mönchengladbacher Bündnis Aufstehen für Menschenwürde und gegen Rechtsextremismus.

Dass Sie gekommen sind, um mit aufzustehen gegen die Demonstration von „Pro Deutschland“, darüber freue ich mich sehr.

„Pro Deutschland“ veranstaltet momentan eine Deutschlandfahrt jetzt hier und anschließend in Düsseldorf. Dabei missbrauchen sie den Bundestagswahlkampf für die Verbreitung ihrer menschenverachtenden und religionsdiskriminierenden Parolen.

Dies wollen wir Mönchengladbacher Demokraten in unserer Stadt nicht unwidersprochen hinnehmen.

An dieser Stelle will ich die Gladbacher Bundestagskandidaten, die über ihre Partei zu unserem Bündnis gehören, besonders begrüßen.

In alphabetischer Reihenfolge heiße ich herzlich willkommen:

Herr Dr. Gerd Brenner, Kandidat der „Grünen“,

Bernhard Clasen, Kandidat der Partei „Die Linke“,

Dr. Günter Krings, MdB und Kandidat der „CDU“,

Joachim Stockschläger, Kandidat der „FDP“, der sich angemeldet hatte, aber für einige Tage ins Krankenhaus musste und deshalb heute verhindert ist. Wir wünschen ihm gute Besserung.

Und als einzige Dame Frau Gülistan Yüksel, Kandidatin der „SPD“.

Sie – unsere Bundestagskandidaten - zeigen mit ihrer Teilnahme und Solidarität, dass es heute hier den Vertretern von „Pro Deutschland“ nicht um demokratischen Wettstreit über Sachthemen geht sondern um Volksverhetzung.

Ich danke unseren Bundestagskandidaten für ihre Teilnahme und auch für ihren Verzicht, selbst eine Rede zu halten: Sie wollen mit uns gemeinsam demonstrieren.

Die Vertreter von „Pro Deutschland“, die sich aus der ganzen Republik zusammengerottet haben, ziehen durchs ganze Land von Stadt zu Stadt, um ihre menschenverachtenden Parolen  zu verbreiten auf Kosten von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Damit verletzen sie deren Menschenwürde, die ihnen laut Grundgesetz

(Artikel 1, Absatz 1) garantiert wird.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Aber ihre Hetze geht noch weiter, indem sie heute in Rheydt gegenüber der „Bilal Moschee“ aufmarschieren und das an einem Freitag.

Damit verletzen sie das religiöse Grundrecht unserer muslimischen Mitmenschen.

(Artikel 4, Absatz 1 und 2):

„Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“     

Mehr möchte ich dazu inhaltlich nicht sagen; das werden Ihnen die kirchlichen Mitglieder unseres Bündnisses mit auf den Weg geben.

Meinerseits zum Schluss nur noch eins: Vor einem dreiviertel Jahrhundert gab es in Deutschland ähnliche Parolen. Ihr Ergebnis war unsägliche Barbarei. Für mich sind Sie Ewiggestrige, die bis heute noch nicht in der Bundesrepublik angekommen sind.

Verschwinden Sie aus unserer Stadt und fahren Sie besser zum Nachdenken nach Hause anstatt nach Düsseldorf.

Wir stehen auf und werden immer wieder gegen solche Volksverhetzung aufstehen und uns quer stellen.

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Rede von Pfarrer Dietrich Denker (ev. Kirchengemeinde Rheydt)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Ich bin als Vertreter der ev. Christen in der Stadt mit vollster Überzeugung Mitglied im Mönchengladbacher Bündnis „Aufstehen! Für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus“.

Einleitung

Heute Morgen sind wir früh aufgestanden. Wir wollen nicht unwidersprochen hinnehmen, dass in unserer Stadt Rechtspopulisten auf Deutschlandturnee gehen und mit Antimoschee-plakaten und populistischen Reden vor muslimischen Gotteshäusern Halt machen. Wir wollen nicht, dass sie Ängste und Misstrauen schüren. Wir erheben Widerspruch, wenn sie versuchen mit Schreckensvisionen von einem überfremdeten Deutschland für sich politisches Kapital herauszuschlagen. Die Menschenwürde unserer ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ist uns ebenso unantastbar, wie die unsere. Es ist gut, dass wir heute Morgen früh aufgestanden sind. Für Menschenwürde - gegen Rechtsextremismus.

Und doch ist es mit Grundsatzerklärungen nicht getan. Die Dinge sind komplizierter als uns lieb ist. Nehmen wir zum Beispiel

Die Bewegung „Pro Deutschland“

Ein erster, oberflächlicher Blick zeigt uns eine Partei, die sich zum Grundgesetz bekennt und als Partei zur Wahl zugelassen worden ist. Eine Bewegung, die nichts gegen Einwanderung hat. Allerdings ist man schon der Meinung, dass nur gut ausgebildetet Migranten „reingelassen“ werden sollen, die Deutsch sprechen und keine andere, als die abendländische Kultur in ihrem ‚Wertekoffer‘ mitbringen.

Würden die Drei von der Landesliste für NRW von „Pro Deutschland“ in einem Wohnzimmer zusammen sitzen und wir durchs Fenster hineinschauen, dann sähen wir da eine “bunte Familie“: Generationsübergreifend und multikulturell: Auf Listenplatz 1 den Vorsitzenden– genau mein Jahrgang, und bis 2011 Ratsmitglied in Köln. Auf Listenplatz 2 - wir staunen nicht schlecht -  ein 41-jähriger Schwarzer, selbst ein Migrant aus Sierra Leone. Von Beruf Geologe. Und auf Listenplatz 3 finden wir eine echte „Trümmerfrau“, Jahrgang 1927. Die rüstige 86-jährige Rentnerin aus Köln.

Man muss schon genauer hinsehen, um das Täuschungsmanöver zu entlarven.
Wer das aber tut, erkennt schnell:
Der Vorsitzende war schon Direktkandidat der NPD in Krefeld, Mitglied der Republikaner und hat sehr gute Kontakt zur rechtsextremen Szene. Der 41 jährige Schwarze aus Sierra Leone hat politisch nur drei Dinge zu sagen: Erstens: Freiheit ist gut. Zweitens: Deutschland ist gut. Und Drittens: Ich bin radikal gegen Muslime. Von der „Trümmerfrau“, Jahrgang 1927 erfahren wir gar nichts.

Also: Man muss schon genau hinschauen, um die Täuschungsmanöver der extremen Rechten zu erkennen. Genau das haben wir getan. Genau hingeschaut. Und deshalb sind wir heute hier aufgestanden für Menschenwürde und gegen Rechtsextremismus.

Genau hinsehen! Sich informieren! Aufstehen und Stellung beziehen. Sich nicht durch platte Parolen irreleiten lassen. Darauf kommt es an. Demokratie kann nur funktionieren, wenn wir Bürgerinnen und Bürger unseren Verstand nicht an der Garderobe abgeben. Nur mündige Bürgerinnen und Bürger bewahren die Demokratie vor den demagogischen Parolen ihrer Verächter.

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Beim genauen Hinschauen fällt auf: Es gibt viele Gefahren für die Menschenwürde und die Demokratie in unserem Land. Drei von ihnen springen mir heute ins Auge:

Angstmacherei, Verharmlosung von Gefahren und Beteiligungslosigkeit

1. Angstmacherei

Wer mit den Ängsten der Menschen spielt, spielt mit dem Feuer. Angst frisst die Seele auf. Angst verbaut den Zugriff auf den nüchternen Verstand und macht Dialog unmöglich. Angst vor Überfremdung, Angst vor dem Islam, Angst vor Sozialschmarotzern, Angst vor bestimmten Volksgruppen… Am Ende wird mit diesen Ängsten Hass geschürt und auch Gewalt. Schlimmstenfalls werden Häuser in Brand gesteckt, und Menschen diskriminiert. Um die Ängste zu bannen, werden Menschen verbannt. Abgeschoben in Ghettos, in Wohnsilos. Sie werden kriminellen Mietwucherern ausgeliefert, die fürs Matratzenlager auf 46 m² unanständig hohe Preise nehmen und dann die Wohnungen auch noch so überbelegen, dass man wie bei einer Wechselschicht in Schichten schlafen muss.
Die Angst vor allem Fremden wird geschürt. Der Einfluss des Islam wird bis zur Schreckensvision der Einführung der Scharia in Deutschland heraufbeschworen. Und am Ende ist jeder als Muslim erkennbare Mann oder jede mit Kopftuch erkennbare Muslima eine Gefahr für unsere abendländische Kultur oder gar ein potentielles Terrorrisiko. Da bleibt schnell die Menschenwürde auf der Strecke. Und auch die Objektivität des Rechtsstaates. Wie sonst konnte es zu einer Pannenserie der staatlichen Behörden, wie bei den Ermittlungen gegen die rechtsradikale Terrorzelle der NSU kommen?

Angst erzeugt am Ende Panik. Und in Panik sind alle, auch die sonst eher Klugen, besonders empfänglich für demagogische Parolen. Aus Angst verfallen wir schneller als es uns lieb ist, Ideologien und trügerischen Heilsbringern. Genau darauf spekulieren rechtspopulistische Gruppierungen wie „Pro Deutschland“. Genau darauf spekulieren aber auch religiöse Extremisten. Am Ende folgen Menschen dann Lehrern und Führern, die ganze Völker in den Abgrund stürzen.

Also: Aufstehen! Für Menschenwürde - gegen Angstmacherei. – Aber ich sagte ja, es ist komplizierter als uns lieb ist. Deshalb: Die zweite Gefahr:

2. Verharmlosung von Gefahren

Es gibt auch die „Wölfe im Schafspelz“. Mit der Devise: „Ist doch alles nicht so schlimm“ kann man auch ernsthafte Gefahren verpennen. Ja, bei uns herrscht Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit, und die Würde des Menschen ist unantastbar- und doch kann es sein, dass eine Demokratie auch wehrhaft Gefahren entgegentreten muss.

Ich habe da selbst Lehrgeld gezahlt: Die insbesondere in NRW wachsende Gruppe der Salafisten habe ich unterschätzt. Ein harmloses Gespräch mit Sven Lau, eine klare Distanzierung meinderseits von ihnen, weil sie überhaupt nicht dialogfähig sind, das war schnell geschehen – so weit so gut. Eher harmlos, hab ich gedacht. Aber eine Gefahr für den Staat, die hab ich erst mal nicht gesehen. Soll der Verfassungsschutz mal ruhig weiter beobachten.

Gut, dass der Verfassungsschutz seine Arbeit getan hat. Inzwischen ist die Nähe der Salafisten zu den gewaltbereiten Islamisten so offenkundig, wie die Nähe von „Pro Deutschland“ zum Rechtsextremismus. Die Bürgerinnen und Bürger, aber auch unser Staat haben sich wachsam gezeigt. Man hat sich nicht blenden lassen von „Wohnzimmeransichten“ auf friedlich betenden Koranschüler und verschleierte Ehefrauen. Im Rahmen der verfassungsrechtlichen Möglichkeiten zeigt unser Staat die Zähne und beugt einer Verharmlosung von Gefahren vor. Die Gefahren für den Frieden und die Menschenwürde in unserem Land, die durch religiösen oder politischen Extremismus entstehen, dürfen nicht verharmlost werden. Die Devise: „Ist doch alles nicht so schlimm“ ist falsch.

Deshalb: Aufstehen für Menschenwürde - gegen die Verharmlosung von Gefahren.

Heute begegnen wir achtsam der Gefahr der Angstmacherei und sind gewarnt vor der Verharmlosung von Gefahren. Deshalb sind wir ja aufgestanden. Deshalb sind wir hier! So übernehmen wir Verantwortung für unser Land und beugen der dritten Gefahr vor, der

3. Beteiligungslosigkeit

Die etwas derb so formulierte Haltung: „… das geht mir doch alles am Arsch vorbei: Politik, Religion, Umwelt. Wählen gehen – das bringt doch alles nichts“ – diese Haltung ist wohl die subversivste Gefahr für unsere Demokratie. Ohne Beteiligung des Volkes, des ganzen Wahlvolkes, haben es politische Extremisten leicht. Die schweigende Mehrheit ist immer viel stiller als die kleine aber laute Minderheit. Das gilt besonders bei Wahlen. An einem einzigen Wahltag bilden sich dann falsche Mehrheiten in Parlamenten ab, mit denen wir die nächsten vier oder gar fünf Jahre leben müssen.

Heute trage ich mit dem Hinweis auf diese Gefahr vermutlich Eulen nach Athen. Wahlaufrufe, Flyer… wir habe ja seitens des Bündnisses schon viel getan. Und doch möchte ich es unseren Direktkandidaten für den Bundestag am liebsten „hinter die Ohren schreiben“ Beteiligungslosigkeit ist auch eine Gefahr für die Debattenkultur in unseren Parlamenten. Wenn nur noch einzelne Protagonisten Debatten führen, wenn Parlamentarier nicht im Parlament, sondern anderswo rumschwirren, wenn der Meinungsaustausch über Zeitungsinterviews oder in Talkshows, statt im Parlament erfolgt, wenn der Sponsorentermin, das Fußballspiel oder der Pressetermin wichtiger sind als die Parlamentssitzung, dann nimmt unsere parlamentarische Demokratie auch durch die Beteiligungslosigkeit unserer Volksvertreter und -vertreterinnen Schaden.

Ich komme zum Schluss, und knüpfe noch einmal an am Anfang meiner Rede:

Ich bin als ein Vertreter der ev. Christen in der Stadt mit vollster Überzeugung Mitglied im Mönchengladbacher Bündnis „Aufstehen! Für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus“. Heute Morgen bin ich aufgestanden um gegen rechtspopulistische Angstmacherei und Panikmache anzutreten. Ich bin aufgestanden um für die Menschenwürde, die Freiheit des Glaubens und ein friedliches Miteinander die Stimme zu erheben. Ich stehe auch hier, weil ich der Verharmlosung von Gefahren jeglichen Extremismusses entgegentreten möchte. Vor allem aber bin ich hier, weil ich es Ihnen und mir in Erinnerung rufen möchte:

Unsere Demokratie lebt von mündigen Bürgerinnen und Bürgern. Deshalb: Begleiten Sie achtsam die politischen Debatten und Kampagnen. Informieren Sie sich! Schauen Sie genau hin. Erarbeiten Sie sich Ihre eigene Meinung und melden Sie sich zu Wort: am Stammtisch, am Arbeitsplatz, in der Familie und mit Ihrer Stimmabgabe an der Wahlurne.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

zu unserem Aufruf >>> click

Weitere Nachberichterstattung:

Stadtfernsehen CityVision

Rheinische Post -online-

Westdeutsche Zeitung -online-

Bürgerzeitung MG -online-

MG-Heute -online-

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NPD-Auftritt vom 20. August 2012 auf dem Europaplatz

Bericht >>> wz-newsline.de


 

Berichterstattung > Film > Aufruf

Protestaktionen am 16. März 2013 gegen die beiden Auftritte der Rechtsextremisten in Mönchengladbach

Berichterstattung

Das Mönchengladbacher Bündnis „Aufstehen! - für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus“ demonstrierte am Samstag gleich zwei Mal gegen den Auftritt Rechtsextremer in der Stadt. 150 bis 200 Menschen machten jeweils mit. Am Vormittag schwenkten unter anderem Jusos, Grüne Jugend, IG Metall, Die Linke, Piraten und viele Bündnismitglieder ihre Fahnen vor dem Asylbewerberheim Luisental. Knapp 120 Meter entfernt wetterten hinter einer Absperrung rund 30 Vertreter von Pro NRW gegen angeblichen Asylmissbrauch durch die 150 Bewohner. Der Vorwurf sei eine eklatante Verletzung der Menschenwürde, sagte Ferdinand Hoeren: „Es ist unsäglich erbärmlich sich ausgerechnet die Ärmsten der Armen für diese Aktion auszusuchen“, so der Vorsitzende der Theo-Hespers-Stiftung, eine von insgesamt 41 Mitgliedsorganisationen des Bündnisses. (...)
 
(Spielzeit: 9.46min)

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Auch Bürgermeister Klaus Schäfer sah hinter der Aktion von Pro NRW „eindeutig fremdenfeindliche Absichten“.
 
Die Stadt Mönchengladbach stehe gegen Rassismus: „Durch unsere Anwesenheit zeigen wir Solidarität mit den Asylbewerbern“, so Schäfer. Edmund Erlemann betonte das ausdrückliche Recht auf Asyl als wichtige Errungenschaft der jungen Bundesrepublik nach der Erfahrung des Nationalsozialismus: „Eine freiheitliche Errungenschaft mit hohem Wert“, so der Vertreter des Volksvereins.

„Wir haben Angst. Viele von uns sind weggefahren, aber wo soll ich mit meiner Familie hin“, sagte ein Bewohner. Dagmar Schmidt von der Gladbacher Gruppe der Gemeinschaft Sant' Edigio arbeitet regelmäßig im Asylbewerberheimen mit Kindern: „Mich stört die Unwissenheit und das schwarz-weiß Denken, das immer gesellschaftsfähiger wird“, sagte die Demonstrationsteilnehmerin. In Argumentationsnot kamen die Piraten, zwei ihrer Mitglieder demonstrierten auf der Seite der Rechten: „Das beobachten wir häufiger“, sagte Polizeisprecher Willy Thevissen. „Ihnen droht ein Parteiausschlussverfahren“, setzte Pirat Robin Möllemann dagegen. Auch der NPD-Kreisverbandsvorsitzende ließ sich bei Pro NRW blicken: „Das zeigt, dass in der Partei nicht nur das bürgerliche Lager vertreten ist“, betonte Torben Schultz von den Linken.

Eine Stunde verspätet aus Aachen eintreffend marschierte am Nachmittag „Die Rechte“ mit rund 100 Vertretern auf dem Europaplatz auf: „Sie sind gespickt mit Überläufern aus der NPD und den verbotenen Kameradschaften“, so Hoeren. Auf der anderen Seite des Hauptbahnhofsvorplatz präsentiere sich lautstark das Bündnis: „Wir zeigen, dass es gut ist, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen friedlich zusammenleben“, betonte Bezirksvorsteher Reinhold Schiffers. Zwischenfälle gab es bei beiden Demonstrationen nicht:

„Eigentlich müsste eine Großstadt wie Gladbach bis zu 500 Gegendemonstranten auf die Beine bringen“, zeigt sich Hoeren nicht ganz zufrieden mit der Bündnisaktion.

 
Mehr Berichterstattung
Gegendemo Luisental

Demos: Luisental und Europaplatz 2013Demos Luisental und Europaplatz 2013

Gegendemo Europaplatz

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Aufruf des Mönchengladbacher Bündnis: "Aufsehen! Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus

„Aus der Geschichte lernen (1933 – 2013)“ 

Mönchengladbach steht auf und stellt sich quer!

1933: Vor genau 80 Jahren bereiten die Nationalsozialisten mit Mord und Terror den Boden zur Zerstörung der demokratischen Grundlagen in Deutschland und zu ihrer eigenen Machtergreifung. Krieg und millionenfacher Mord sind die Folgen. 6 Millionen europäische Juden fallen in deutschenVernichtungslagern dem rassistischen Wahn der Nazis zum Opfer.

1943: Genau 70 Jahre ist es her, dass von Anfang März im Gefolge des sogenannten „Auschwitz-Erlasses“ von Heinrich Himmler Sinti und Roma in 29 Transporten aus ganz Deutschland ins „Zigeunerlager“ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort umgebracht werden. Der Nazi-Vernichtungsmaschinerie fallen 500000 Sinti und Roma zum Opfer.
In diesem Jahr findet auch das Leben eines deutschen Flüchtlings ein gewaltsames Ende.
Der Gladbacher Theo Hespers wird nach 17 Jahren Kampf und Widerstand gegen die Nazis und ihre Willkürherrschaft in Antwerpen verhaftet, zum Tode durch Erhängen verurteilt und am 9. September in Berlin-Plötzensee ermordet.

1945: Nie wieder Faschismus ! Nie wieder Krieg ! Es sieht so aus, als hätten alle Deutschen ihre historische Lektion gelernt. Sie legen mit ihrem Grundgesetz vom Mai 1949 eine verlässliche Basis für ein gesellschaftliches Zusammenleben in Freiheit und Menschenwürde und schaffen mit dem Recht auf Asyl ein „Mahn- und Denkmal gegen Hass und Völkermord“ (Christoph Hein).

1993: Seit dem Jahr der Grundgesetzänderung, die das Recht auf Asyl auf die vermeintlich begrenzte Aufnahmekapazität der Bundesrepublik und auf wirtschaftliche Interessen des Landes zurückschneidet, mehren sich rechtsradikale Übergriffe auf Flüchtlinge und ihre Wohnungen in Deutschland. Im Haus der Familie Geng in Solingen sterben bei einem Brandanschlag 5 Menschen. Weitgehend ungestört durch deutsche Sicherheitsorgane, braut sich eine Terrorszene im Untergrund zusammen, die über zwei Jahrzehnte hinweg eine Blutspur mit mehr als 150 Toten quer durch unser Land zieht.

2013: Wie schon wiederholt in Mönchengladbach, treten die Rechtsextremisten der „Bürgerbewegung Pro NRW“ auch in diesem Wahljahr an die Öffentlichkeit, um unter dem Deckmantel bürgerschaftlichen Engagements mit populistischen Parolen die unausrottbare braune Brühe auf ihre Mühlen zu leiten. Waren es vorher der Islam und die Salafisten, die sie zu bekämpfen vorgaben, so haben sie jetzt ein neues Ziel für ihre rassistische Hetze ausgemacht: Die Asylbewerber in unserem Land. In 21 nordrhein-westfälischen Städten wollen sie vor „Brennpunkten des Asylmissbrauchs“ demonstrieren, in Mönchengladbach am 16. März vor dem Flüchtlingswohnheim Luisental. Wir werden den Rechtsextremisten die Schleichwege zurück in die faschistische Barbarei verlegen. „Wir glauben“, um den Aufruf der Antifa Niederrhein zur Gegenkundgebung aufzugreifen, „an eine offene und vielfältige Gesellschaft, in der man unabhängig von Glauben, Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht und Alter gleichberechtigt und frei miteinander leben kann und in der Asylsuchende und Flüchtlinge Schutz vor Verfolgung erhalten.

Wir wollen Begegnung statt Abgrenzung und Miteinander statt Gegeneinander.“