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Theo-Hespers-Stiftung e.V.

"Die Erneuerung der
Lebensverhältnisse
ist aber nur dann praktisch
durchführbar, wenn ihr eine
neue Gesinnung zu Grunde liegt."
Theo Hespers 1938

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Dennis & Kim

Audio Polit-Novella "Denis und Kim"

Audio-Polit-Novela

Eine Liebesgeschichte in 12 Folgen

Kein Sex mit Nazis? Die 17-jährige Kim, seit einiger Zeit in rechtsextremen Kreisen unterwegs, und der ebenfalls 17-jährige Dennis, Gymnasiast mit gänzlicher anderer Weltanschauung, verlieben sich Hals über Kopf. Die Geschichte nimmt ihren Lauf … Eine Audio-Novela der Bundeszentrale für politische Bildung.

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Dennis & Kim - Der Trailer | Trailer herunterladen (mp3, 1,66 MB)

Folge 1: Und Bäng! | 6 Min. 04 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 8,34 MB)
Folge 2: Falsche Seite | 4 Min. 46 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 6,55 MB)
Folge 3: Vollmacke | 5 Min. 57 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 8,18 MB)
Folge 4: Bekenntnisse | 6 Min. 01 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 8,26 MB)
Folge 5: Es knallt | 5 Min. 17 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 7,26 MB)
Folge 6: Versöhnung | 5 Min. 11 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 7,12 MB)
Folge 7: Fliegen | 5 Min. 26 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 7,48 MB)
Folge 8: Im Bett mit Nazis | 6 Min. 04 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 6,55 MB)
Folge 9: Guten Abend Frau Baumann | 4 Min. 35 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 6,30 MB)
Folge 10: Nur noch einmal | 6 Min. 53 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 9,46 MB)
Folge 11: Du bist raus! | 4 Min. 37 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 6,35 MB)
Folge 12: Komm zurück | 6 Min. 33 Sek. | Folge herunterladen (mp3, 8,99 MB)

 

05.10.1996 - Symposium: Jugendliche Fremdenfeindlichkeit und der neue Rassismus

Die Theo-Hespers-Stiftung e.V. führte zusammen mit der euregio-rhein-maas-nord bei der Stadtwerke Mönchengladbach GmbH am Samstag, dem 5.10.96 unter dem obigen Thema eine ganztägige Veranstaltung durch. Eingeladen waren neben den Mitgliedern der Veranstaltung vor allem Jugendvertreter aus dem Raum der euregio, 58 Interessierte nahmen teil. Das Symposium beinhaltete am Vormittag einen Einführungsteil und das Hauptreferat von Prof. Dr. Breyvogel mit anschließender Aussprache sowie am Nachmittag drei Arbeitskreise mit anschließender Berichterstattung.

Friedhelm Kirchartz, Vorsitzender der Stadtwerke, begrüßte als Gastgeber die Anwesenden und wies auf die Aktualität der Thematik hin.

Danach übernahm Barbara Kaim-Grüneisen von der Rheinischen Post – Mittlerer Niederrhein die Moderation der Tagung.

Im Nachfolgenden sind die Referate und Berichte in Kurzform widergegeben.

 Der Präsident der Regiorates, J. A. Graafeiland, erklärte, das Thema des Symposiums sei leider wieder aktuell und betreffe nicht nur Jugendliche. Es sei wichtig, präventiv zu wirken und nicht nur Rechtsradikalismus sonder jede Art von Radikalismus frühzeitig zu unterdrücken. „Agieren statt reagieren“. Die Wurzeln des heutigen Radikalismus könnten mit der ausgeprägten Suche nach der eigenen Identität zusammenhängen, die – obwohl an und für sich ein positives Phänomän – bei Überdosierung ins Negative umschlagen könne. Als Beispiel nannte er das Baskenland, Padonia und Jugoslawien.

 

Der Vorsitzende der Theo-Hespers-Stiftung e.V., Dietrich Hespers, betonte, daß die Stiftung die aktuelle Entwicklung mit Sorge betrachte und aus ihrem Geschichtsverständnis wisse, daß ähnliche Ursachen zu ähnlichen Entwicklungen führten – natürlich in einem gewandelten Kleid – wenn man ihnen nicht rechtszeitig entgegentrete. Er äußerte seine Freude darüber, daß die Mitglieder der euregio ihre Möglichkeiten anböten, diese Tendenzen zu bekämpfen. Bei den Stadtwerken bedankte es sich dafür, daß sie bereit gewesen seien, nicht nur ihre Räume und ihre Gastfreundschaft sondern auch ihre Organisationskräfte und ihr Personal für diesen Zweck anzubieten.

Ferdinand Hoeren machte in seiner Einführung in die Thematik des Symposiums deutlich, daß Rechtsradikalismus eindeutig gegen den gesamten Geist unseres Grundgesetzes verstoße. Nach einem kurzen Überblick über die Statistik der rechtsextrem motivierten Gewalttaten seit 1990 in unserem Lande, die im letzten Jahr an Sensation verloren hätten, wolle er weder Panik erzeugen noch Entwarnung geben. Er gab zu bedenken – wenn man einerseits die erschreckend niedrige Wahlbeteiligung der diesjährigen Wahlen in

 

Niedersachsen und andererseits die beängstigenden Wahlerfolge der Rechtsradikalen in Frankreich sehe - welche Spielräume sich ergäben. Denn niemand wisse, wann die Nichtwähler wieder zur Wahl gehen würden und was oder wen sie dann wählen würden. Hoeren erklärte, daß sich am Anfang der Arbeit eines solchen Symposiums eine Reihe von Fragen aufdrängten, von denen er einige aufzählte:

Woran erkennt man Rechtsextremisten und Rassisten, bevor sie Verbrechen begehen oder in Gruppen mit eindeutigen Parolen, Gesängen, Symbolen oder Basballschlägern auftreten ?

Was sind die Ursachen für Rechtsextremismus. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ?Neigt der Mensch von Natur aus zu solchen Verhaltensweisen, und muß er folglich erst zur Mitmenschlichkeit erzogen oder gezwungen werden ? Ist die Ursache bei uns Deutschen vielleicht in unserer Geschichte oder jetzt neu in unserer Wiedervereinigung zu suchen ?

Sind Arbeitslosigkeit, Verarmung, Wohnungsnot, Vereinsamung, Identitätsverlust, fehlendes Selbst­wertgefühl oder Ohnmachtserfahrung und Ängste die eigentlichen Grunde ?

Ist es eine Folge des Wertewandels sowie unsere Ellenbogen-, Macht- und Leistungsgesellschaft ? Oder haben wir alle -jeder für sich und alle zusammen - ein wenig Schuld ?

Was kann man gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus tun ? Reichen unsere Gesetze aus ?

Soll man alle rechten Organisationen verbieten ?

Genügt es. wenn man Rechtsradikale bekämpft oder ausgrenzt ?

Gibt es Programme für junge Menschen im Bildungs-, Ausbildungs- und Freizeitbereich, die erfolgversprechend sind ? Oder hilft nur die Beseitigung der Ursachen ?

Drs. David Barnouw referierte über die „Nationale Jeugdstorm", eine nationalsozialistische Jugend­organisation ohne Hakenkreuz in den Niederlanden,

Einleitend legte der Referent anhand der Verfilmung des 1957 erschienenen Büchleins `Het Bittere Kruid" der jüdischen Schriftstellerin Marga Minco Problematiken dar, die mit zwei Standardreaktionen in den Niederlanden charakterisiert würden: 1. Es darf nicht sein und hat sich folglich nicht so zugetragen; 2. Etwas. das zu nichts taugt, wird wohl aus dem Ausland kommen.

Zur Geschichte des Nationale Jeugdstorm betonte Barnouw, daß kaum festzustellen sei, wann der Nationale Jeugdstorm zu funktionieren begann. Sicher sei, daß der Führer der nationalsozialistischen Bewegung in den Niederlanden, Ingenieur Anton Mussert, am 1. Mai 1934 seinem Zweiten Mann, Van Geelkerken, den Auftrag zur Gründung eines Nationale Jeugdstorm gab, einer nationalen Jugendorgani­sation. Diese Organisation sollte bei Außenstehenden den Eindruck einer neutralen Jugendbewegung er­wecken, also nicht als nationalsozialistisch erkennbar sein. Es habe dafür verschiedene Gründe gegeben, so z. B, das durch die niederländische Regierung 1933 erlassene Mitgliedschaftsverbot in der NSB für Beamte. Ziel wie Ideologie des Nationale Jeugdstorm seien kaum von dem abgewichen, was für die poli­tische Rechte der Niederlande in den dreißiger Jahren gebräuchlich war. Das Führerprinzip und die Tat­sache, daß der Hoofdstormer zugleich der Zweite Mann der NSB war, machten die Verschiedenartigkeit des NJS aus. Als 1935 in den Niederlanden das Tragen von Uniformen erneut verboten wurde, hob der NJS sich selbst auf, aber es wurde sofort ein „neuer" Nationale Jeugdstorm gegründet. 1937 wurde die Organisation wie auch die NSB und linke Parteien auf eine Liste mit Vereinigungen gesetzt, die für Beamte verboten waren. Es wurde nun ein dritter, „entpolitisierter" NJS gegründet, und es wurde sogar festgelegt, daß Führungsmitglieder des Jeugdstorm kein Mitglied der NSB sein durften. Zu diesem Zeit­punkt lag seine Mitgliederzahl bei 2.400, während die Niederlande damals 9 Millionen Einwohner zählten. Die Ausbildung des Jeugdstorm hätte damals weitgehend einen militarisierten Pfadfindercharakter gehabt, möglichst viel Sport und Spiele, das Singen und Erlernen von niederländischen, flämischen und südafrikanischen Liedern. Dieser dritte NJS habe ein kümmerliches Dasein geführt. Als die deutschen Truppen im Mal 1940 in die Niederlande einfielen, habe der Nationale Jeugdstorm nicht mehr existiert, da man es zu stark auf zwei Dinge angelegt hatte, auf den Nationalsozialismus, ohne sich dazu bekennen zu wollen. und auf den nationalen Charakter.

In den ersten Besatzungsmonaten habe die Berliner Reichsjugendführung bei Jeugdstormers und anderen NSB-Kindern Werbung für Sommerlager in Deutschland gemacht. Mit Erlaubnis der NSB-Leitung hätten 19-10 ein paar hundert Jeugdstormers und "Andersdenkende" Sommerjugendlager in Mecklenburg besucht und zusammen mit Mitgliedern der Hitlerjugend und des BDM drei Wochen lang die „Neue Ordnung" in Deutschland aus der Nähe kennen gelernt. Einige NJS-Führerinnen und -Führer hätten gleich­zeitig an einem Führungskurs an der Reichsjugendführerschule in Potsdam teilgenommen. Der NJS hätte seinen alten Weg weiterverfolgt, so zu tun, als ob der Jeugdstorm unpolitisch wäre. Man habe aus einem „nationalen“ Gedanken heraus neue Mitglieder zu werben versucht. nach eigenen Angaben habe sich die Mitgliederzahl im September 1942 auf 18 000 belaufen. Die ideologische Botschaft, die Jeugdstormers und -stormsters in den Kriegsjahren mitgegeben wurde, sei nicht recht auszumachen. Die Betonung habe auf dem Aktivismus gelegen. Man habe gegen das schlechte Verhalten der Jugend angehen wollen. In den Zeitschriften dieser Bewegung De Stormmeeuw und De Stormvlag wird der Hedonismus der Jugend beklagt.

Der Referent skizzierte die internationalen Kontakte. die schon der Jugendbewegung der Vorkriegszeit nicht fremd waren. Auch nationalistisch eingestellte Gruppen hätten ihren Blick über die Grenze schwei­fen lassen, während vom nationalen Jeugdstorm aus der Vorkriegszeit nur gelegentliche Kontakte bekannt seien. Während des Krieges sei aber der Drang zu internationalen Kontakten von deutscher Seite sehr stark gewesen. Dies sei notwendig gewesen, um der nationalsozialistischen Jugend eine großgermanische Zukunft bieten zu können. 1942 habe in Weimar das erste Treffen europäischer Jugendleiter auf offizieller Ebene stattgefunden mit Abgeordneten aus Bulgarien, Dänemark. Finnland, Ungarn, Kroatien, den Nie­derlanden, Norwegen, der Slowakei, Spanien, Flandern und Wallonien. Hier sei besonders stark der Un­terschied zwischen nationalsozialistischen und den früheren Jugendorganisationen herausgearbeitet wor­den. Die früheren Jugendorganisationen hätten sich - vergleichbar dem Pfadfindertum - ausschließlich auf den einzelnen gerichtet, während die Nationalsozialisten die Gemeinschaft als das wichtigste achteten sowie die Führung von Jugend durch Jugend. Einige Monate später habe in Wien die Gründung des ..Europäischen Jugendbundes" stattgefunden, bei der auch Vertreter Italiens, Portugals und Japans wa­ren. Die Gründung sei mit zahlreichen Feierlichkeiten durchgeführt worden. Ab September 1944 hätten sich dann radikale progermanische NJS-Führer- und -Führerinnen gegen ihre eigene Führung aufgelehnt und seien Gastmitglied der Hitlerjugend geworden.

David Barnouw charakterisierte dann den NJS vor dem Hintergrund der niederländischen Tradition: Es sei schwierig, den Platz des NJS innerhalb der niederländischen Jugend der dreißiger Jahre zu bestim­men, da der NJS von Mai 1940 bis Mai 1945 in immer größerem Maße mit der deutschen Besatzungs­macht kollaboriert habe. Der NJS habe behauptet, eine den Durchbruch bringende Organisation zu sein - wie auch die NSB - aber beide Organisationen hätten diese Behauptung nie wahrmachen können. Die NSB habe nur einmal bei Bezirkswahlen 8 % erreicht - im Gegensatz zu Deutschland, wo die NSDAP schon vor 1933 eine größere Anhängerschaft als alle anderen Partien hatte. Der NJS sei in der Vorkriegszeit nur unmerklich unniederländisch gewesen, habe sich während des Krieges aber sehr prodeutsch gegeben.

Der Referent skizzierte dann die Auswirkung des NJS auf die niederländische Gesellschaft: „Was sind nun die langfristigen Auswirkungen des NJS auf die niederländische Gesellschaft? Ich glaube, daß es keine Auswirkungen gegeben hat. Dafür war der NJS einerseits - sicher in der Anfangsperiode - zu gewöhnlich niederländisch. und andererseits in der späteren Periode zu ungewöhnlich großgermanisch. In der illegalen Presse wurde zwar über die Umerziehung der deutschen Jugend geschrieben. 'kann das nationalsozialistische Gift aus den Geistern vertrieben werden?', aber kaum über die Umerziehung in den Niederlanden.

Und wenn das schon der Fall war, dann betraf es die gesamte niederländische Jugend, nicht das kleine nationalsozialistische Segment“.

 

Prof. Dr. Wilfried Breyvogel hielt das Hauptreferat über das Thema des Symposiums.

 

1. Gegen die Dramatisierung im Steigerungsdiskurs

 

Der Referent begrenzte sein Thema auf die seit 1990/91 von männlichen Jugendlichen ausgehende Gewalt gegen Fremde. Wenn statt ..Rechtsextremismus" Begriffe wie Rechtsradikalismus, Rassismus und Fremden­feindlichkeit verwendet würden, werde der enge Blick geöffnet „und auf die verborgene Spur einer sehr viel allgemeineren Bereitschaft aufmerksam gemacht, die diese neue Gewalt gegen Fremde mit anderen Formen jugendlichen Gewalthandelns" verbindet. Dabei werde der Gewaltbegriff im engeren Sinn be­nutzt, es -ehe hier also nicht um Formen „struktureller Gewalt", sondern „um Gewalt in der Form des Übergriffs auf den Körper des Anderen". Im Referat wurden eine Reihe von Selbstverständlichkeiten und scheinbar sicherer Überzeugungen in Zweifel gezogen z.B. das Vorurteil, daß es in den neuen Bundeslän­dern besonders viele fremdenfeindliche Straftaten gebe oder das verbreitete Vorurteil, die meisten Täter seien Gruppen wie den Skinheads zuzurechnen. Oder auch die von Hurrelmann vorgegebene Annahme, die Angriffe wurden „immer skrupelloser und brutaler". In Wirklichkeit seien diese „linearen Steigerungs­verweise daher Teil einer inszenierten Aufregung über die Bedrohung durch Jugendliche in der Fernseh­Sessel-Gesellschaft".

 

2. Straftaten mit fremdenfeindlicher Motivation. Statistische Grundlagen (nach Angaben des BKA)

 

Deutlich sei ein massiver Anstieg zwischen 1991 bis Ende 1993, dem ein Rückgang in 1994 folge. Beson­ders auffallend sei der Anstieg der Straftaten im jeweiligen Folgemonat nach einem der Medienereignisse. ,,Während die Brandstiftung in Mölln in zeitlicher Nähe zu den Übergriffen in Rostock, in einer Phase eines relativ hohen Niveaus stattgefunden hat, wird der Verstärkereffekt nach dem Brandanschlag, in Solingen besonders deutlich." Auch die Basis der Einzelangaben des Landes Nordrhein-Westfalen bestä­tige, daß Körperverletzungen zugenommen hätten, während Tötungsdelikte, Sprengstoffanschläge und Brandstiftungen von 1992 zu 1993 zurückgegangen seien. Bei einem Blick auf die einzelnen Bundeslän­der werde deutlich und verständlich, daß die Bundesländer mit dem größten Anteil der Bevölkerung auch das höchste Aufkommen fremdenfeindlicher Straftaten aufwiesen. 1991 hätten das Saarland. Niedersach­sen, Schleswig-Holstein. Nordrhein-Westfalen die ersten vier Rangplätze besetzt. In den Folgejahren habe sich dieser Eindruck relativiert. So seien 1992 in Sachsen-Anhalt, Brandenburg. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen „die fremdenfeindlichen Straftaten mit personengefährdendem Charakter häufiger ver­treten als in den alten Bundesländern."

 

3. Ergebnisse zur fremdenfeindlichen Gewaltbereitschaft

 

Nach Angaben des BKA seien 1992, 68 % der ermittelten tatverdächtigen Täter unter 20 Jahren gewesen,

1993 etwa 60 %. "Daß es bis zu 80 % Gruppendelikte sind und daß zu 95 % männliche Jugendliche

besonders beteiligt sind, ist inzwischen allgemein bekannt. „Auf der Basis von 1398 Ermittlungsakten

haben Willems u. a. (1993) eine Tätertypologie vorgelegt. Danach gibt es vier Tätertypen:

1. Der politisch motivierte, rechtsradikale Täter, der Mitglied ist oder über Kontakte zur rechtsradikalen Parteigruppen oder parteiähnlichen Kreisen verfügt. Er tritt mit seiner Überzeugung auch vor Gericht offensiv auf, besitzt eine rassistische Ideologie und klare Vorstellungen seiner Opfergruppen. Er ist häufig älter als 20 Jahre und verfugt im Vergleich zu den anderen Tätergruppen über einen höheren Bildungsabschluß.

2. Der fremdenfeindliche Jugendliche, der weder Mitglied in Organisationen ist noch über eine rassistische Ideologie verfügt. Er ist häufig Teil der Skinkultur oder in anderen action-orientieren Freizeitcliquen beteiligt. Er vertritt nicht durchgängig das Prinzip der Gewalt als politisches Mittel. Im Zentrum steht ein männlicher Chauvinismus, der ihn mit anderen Cliquen männlicher Jugendkultur verbindet. Er ist prozentual häufiger arbeitslos, und seine Biographie ist durch familiale und schulische Krisen gekennzeichnet.

3. Der kriminelle Jugendliche mit negativer Karriere, der jugendliche `Schlägertyp', der der Jugendkriminalitätsgeschichte seit langem bekannt ist. Er ist häufig wegen Eigentums- und Gewaltdelikten vorbestraft, ist selbst häufig das Opfer von Gewalt in Familie und Alltag gewesen. Im Zentrum seines Handelns ist er allerdings nicht politisch motiviert oder besonders fremdenfeindlich, seine unspezifische Gewaltbereitschaft korrespondiert mit der Zufälligkeit seiner Opfer. 4. Der jugendliche Mitläufer. Er ist weder nationalistisch eingestellt noch verfügt er über eine verfestigte Ausländerfeindlichkeit. Er ist durchweg in normalen Arbeits- oder Ausbildundsverhältnissen. Er ist sozial unauffällig und sucht die Gemeinschaft in jugendlichen Cliquen."

 

4. Die Täter und ihre Motive

 

Professor Breyvogel schilderte einzelne Täter und ihre Hintergründe und faßte zusammen, daß sich in den Schilderungen Hinweise auf rechtsradikale, fremdenfeindliche und rassistische Motive finden, sowohl in der Mitte als auch am Rand in der Gesellschaft. Einiges „verwies auf die fatale Beziehung zwischen Großvätern, denen keiner mehr zuhört, und Enkeln" und „auf das `Weiterlaufen' und den Unterstrom des Nationalsozialismus in der Erinnerung der Alten mit ihren immer neuen Formen der phantasmatischen Verkennung und Idealisierung."

 

5. Ein Erklärungsversuch jenseits des Etiketts „Rechtsextremismus"

 

Mit der Tätertypologie, den Fallbeispielen und den statistischen Angaben über die Tatverdächtigen be­gründete der Referent die Ablehnung des pauschalen Etiketts „Rechtsextremismus" und schlug statt des­sen eine genauere Unterscheidung vor:

 

a) „rechtsradikale“ Täter, für die gilt, daß sie in legale oder illegale parteiliche Strukturen eingefunden sind.

b) fremdenfeindliche Täter, denn unabhängig vorn Rechtsradikalismus gibt es fremdenfeindliche Jugendliche. Fremdenfeindlichkeit äußert sich in der Regel im direkten Angriff auf Personen, in Schlägereien und Formen der Körperverletzung.

c) Davon zu unterscheiden ist der biologische Rassismus, der als Denkweise nach 1945 keineswegs verdampft ist, sondern in neuen Schattierungen die Einwanderungsländer Europas: England, Frankreich, Deutschland, aber auch die kleineren wie die Schweiz, Holland, Österreich und Italien kennzeichnet. Dieser biologische Rassismus ist ein Resultat der Kolonialzeit. Er legitimierte die Herrschaft über die Kolonialvölker durch Naturkategorien der Ungleichwertigkeit der Menschen. Er war von Anbeginn an ein fundamentaler Widerspruch zur christlichen Schöpfungslehre und zu den humanistischen Traditionen des Abendlandes, beides fundamentale Grundlauen der modernen Demokratie, auch in Deutschland. Daher ist er ein besonders widersinniger, unsere moralischen Kräfte herausfordernder Sachverhalt.“

 

Kennzeichen des Rassismus sei eine „kalte" Form der Gewalt, beziehungslos, emotionslos, bürokratisch gegenüber ihren Opfern, während die Fremdenfeindlichkeit als eine „warme" Form der Gewalt aus Inter­aktionen, Beziehungen und in den Netzen der Straße, aus Rivalitäten um Einfluß. Macht oder Mädchen entstünden. Der Referent fuhr fort: „Rassismus basiert auf sehr tief liegenden Angstgefühlen, Ängsten, die weit unterhalb unserer Sprachfähigkeit liegen. Gegenstand des Rassismus sind daher Phantasmen, Phantasien über das Fremde, das häufig mit sexueller Potenz aufgeladen ist, Eigentum und Besitzstand gefährdet. Rechtsradikalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus können zwar miteinander zusam­menhängen, sind aber in sich nicht identisch. Gerade für eine pädagogische Auseinandersetzung mit Jugend­lichen ist daher eine genauere, am Fallbeispiel ansetzende Differenzierung notwendig.“

Das jugendliche Handeln wehrt stellvertretend die phantasierte Bedrohung aller im Gewalthandeln ab. Diese Übereinstimmung von jugendlichen Akteuren und erwachsenen Akklamateuren sei am sinnfällig­sten in Rostock zum Ausdruck gekommen. Diese Stellvertretung dürfe aber nicht zu direkt - z. B. als „Drahtziehertheorie" vorgestellt werden. Professor Breyvogel belegte, daß dieses Stellvertreterhandeln Jugendlicher historisch nicht neu ist. Außerdem gebe es eine Verschiebung in der Psyche der Jugendli­chen: „die zunehmende Bedeutung medialer Bilder, die faszinative Kraft des bildlich Imaginäre, löst in der Psyche des Jugendlichen Motive der Nachahmung und Imitation aus, die dem Wunsch gehorchen, Anerkennung in Form medialer Präsenz zu erhalten: `Daß das in der Zeitung steht' ist der banale Beleg für diesen Sachverhalt. Das Zentrum, aus dem diese Motive entspringen, ist der Wunsch nach Größe, Macht und Anerkennung. Es ist, in der psychischen Struktur gesprochen, das Größen-Selbst des Narzissetischen Spiegelstadiums, das in der Jugendphase mit Notwendigkeit nochmals aufbricht.

Meine zentrale These ist, daß dieses narzißtische Zentrum durch die Fülle medialer Bilder eine neue Bedeutung bekommen hat und nicht mehr - wie in früheren Generationen - durch starkes Über-Ich, durch eine in autoritären Instanzen gebundene moralische Gewissenserziehung kontrolliert und im Zaum gehal­ten wird.“

 

Nora Hespers

Ein Blog über das Leben des Widerstandskämpfers Theo Hespers und seiner Nachfahren von Nora Hespers.

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Matthias Strolz im Parlament von Österreich

"Europa braucht eine Seele!"

Dauer: 10:01min

14.06.2018

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We are like the autumn´s leaves - Driven over dusty roads -

Ausschnitt Klosterkirche16 02 2018

Text: Dirk Hespers sen.

Melodie: Dirk Hespers jun.

aufgeführt am 16.02.2018

in der Klosterkapelle Franzikanerkirche St. Barbara (Mönchengladbach)

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