Theo-Hespers-Stiftung e.V.

"Die Erneuerung der
Lebensverhältnisse
ist aber nur dann praktisch
durchführbar, wenn ihr eine
neue Gesinnung zu Grunde liegt."
Theo Hespers 1938

Mit Mut, Herz und Verstand

Es bleibt die Frage: Was trieb Theo Hespers, den „Jong" aus Gladbach, zu seinem kompromisslosen Widerstand gegen das nationalsozialistische Gewaltregime? Mögliche Antworten geben verschiedene Weggefährten des Widerstandskämpfers: „Die Person Theo Hespers atmete diesen Geist der stark gefärbten Begeisterung für ein hohes Ideal, dem in oft pathetischen Beteuerungen Ausdruck gegeben wurde, aber auch in einer kühlen, genau überlegten und geplanten politischen Aktion. Äußerlich war und blieb Hespers ein freundlich und klug aussehender, blonder Jüngling, in seinen scharfen Augen konnte man jedoch schon vermuten, dass die Romantik nur die eine Seite seines Charakters war. In Wirklichkeit verband er diesen ungetrübten, ungeschwächten Idealismus mit einer sehr mutigen und gefährlichen Tätigkeit", schrieb Karl Josef Hahn nach dem Krieg in einem Aufsatz über katholischen Widerstand in den Niederlanden.

Und der niederländische Journalist Marcus van Blankenstein berichtete über Hespers, er habe „Sauber­keit als Gesinnung, Offenheit, Mut und uneigennütziges Streben für eine große Sache" gezeigt. Einschätzungen, die unmissverständlich zeigen: Es waren vor allem Mut, Herz und ein scharfer Verstand, die Theo Hespers in seinem Kampf gegen den Nationalsozialismus auszeichneten.

Von ihm selber existieren aus den Jahren der Emigration keine persönlichen Aufzeichnungen und wir wissen kaum etwas über seine Gedanken und Gefühle in dieser Zeit. Nur indirekt, in seinen politischen Äußerungen, hat Theo Hespers der Nachwelt vermacht, worum es ihm im Kampf gegen den Nationalsozialismus ging: „Die Erneuerung der Lebensverhältnisse ist aber nur dann praktisch durch­führbar, wenn ihr eine neue Gesinnung zu Grunde liegt. Diese Gesinnung ist: die Überwindung des Privatinteresses durch die Idee der Gemeinschaft zum Wohle des Volkes. Die Überwindung der kapitalistisch-materialistischen Gesinnung ist aber nur möglich, wenn die Frage nach der Aufgabe des Menschen mit dem höchsten Ziel beantwortet wird. Dieses Ziel sehen wir Christen in der Vollendung der menschlichen Persönlichkeit", schrieb Theo Hespers einmal. Er stützte sich bei seinem Widerstand gegen den Nationalsozialismus in erster Linie auf christliche Werte und ein Menschenbild, das den Einzelnen und seine Persönlichkeit in den Vordergrund stellt.

In diesem Sinne rief der Widerstandskämpfer in verschiedenen Artikeln der Zeitschrift „Kameradschaft" immer wieder zum Handeln aus christlicher Verantwortung auf. „Die Religiosität und Glaubensüberzeugung ist die Grundlage, auf welcher der katholische Mensch seine Stellungnahme zu allen Dingen der Wirklichkeit aufbaut", erklärte Hespers und führte an anderer Stelle aus. „Jeder, der an den Ewig­keitswert des Menschen glaubt und dem das deutsche Volk und seine christliche Kultur lieb sind, fühlt die Verpflichtung, die heute über Deutschland herrschenden Gewalthaber abzulehnen und sich für deren Überwindung einzusetzen. Als junge katholische Deutsche fühlen wir uns darum auf Grund des durch das Christentum geheiligten Naturrechtes verpflichtet, für den Sturz des Hitlerregimes zu kämpfen".

Für Hespers widersprach die nationalsozialistische Weltanschauung dem christlichen Welt- und Menschenbild, das ihn von Kindheit an geprägt hatte. Dagegen musste er einfach aufbegehren. Mut, Herz und Verstand wurden ihm von Freunden und Weggefährten nachgesagt. Wie ein roter Faden zieht sich eine weitere besondere Eigenschaft durch das Leben Theo Hespers: Er hatte nicht nur ein gutes Gespür für Unrecht, er ertrug auch keine Ungerechtigkeit. ,Terror und Angst vor der Illegalität' darf uns nie davor zurückhalten, als Christen unsere Pflicht zu erfüllen", forderte Hespers in der „Kameradschaft" - der Glaube „für die gute Sache" kämpfen zu müssen, hatte den Gladbacher schon in seiner Jugend begeistert. Theo Hespers ist sich immer treu geblieben.

„Ihr werdet, hoffe ich, noch einmal die neue schöne Zeit erleben, nach der ich mich immer sehnte, und in einem glücklichen Volk, friedlich, gesättigt und froh leben. Ich wünsche es allen Menschen", so Theo Hespers in einem seiner Briefe an die Familie aus dem Gefängnis. Der Widerstandskämpfer aus Mönchengladbach hat diese Zeit nicht mehr erlebt. Er hat jedoch dafür gekämpft und sein Leben eingesetzt, damit dieser Wunsch Wirklichkeit werden konnte.

 

Auszug aus dem Buch:

buch jutta

Theo Hespers - Band 22 / Herausgeber: Gladbacher Bank

ISBN: 3-936824-22-3

Widerstand überwindet Grenzen

Dieser Widerstandskreis um Theodor Hespers und Dr. Hans Ebeling ist bisher in seiner Bedeutung unterschätzt und verkannt. Ihr da­maliger Vorteil, dass sie nicht parteilich gebunden waren (Theodor Hespers der Vertreter der ka­tholischen  Jugend im Exil) wurde im Nachkriegsdeutschland zu ihrem Nachteil.

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