Theo-Hespers-Stiftung e.V.

"Die Erneuerung der
Lebensverhältnisse
ist aber nur dann praktisch
durchführbar, wenn ihr eine
neue Gesinnung zu Grunde liegt."
Theo Hespers 1938

Enthüllung des Theo-Hespers-Denkmal

Rückblick auf den Festakt vor der zukünftigen Theo-Hespers-Gesamtschule vom Samstag, 9. September 2017

grafik gedenkstein Video Teil 1 | Video Teil 2 Susanne Titz

auf YouTube.de
Ansprachen
Ferdinand Hoeren, Theo-Hespers-Stiftung e.V.
Hans Wilhelm Reiners, Oberbürgermeister
Susanne Titz, Museumsdirektorin Abteiberg Mönchengladbach
(Raphaela Hahn, Schulleiterin der Theo-Hespers-Gesamtschule)

Ferdinand Hoeren

Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung e.V.

Gedenkstein2017Guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie im Namen der Theo-Hespers-Stiftung und freue mich, dass Sie trotz dieses Wetters gekommen sind. Wir wollen einen Sohn unserer Stadt ehren, den Widerstandskämpfer Theo Hespers, der heute vor 74 Jahren von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee ermordet worden ist. Davor hatte er die Nazipartei von 1927 bis 1932 als Demokrat politisch bekämpft und von 1933 bis 1940 die Hitlerdiktatur im Widerstand.

Ihm wollen wir heute ein Denkmal setzen.

Besonders begrüßen möchte ich unseren Oberbürgermeister, Hans Wilhelm Reiners, der die Stele enthüllen wird, sowie alle anwesenden Ratsmitglieder.

Desweiteren begrüße ich die beiden Künstler, die in einer Gestaltungsgemeinschaft das Denkmal geschaffen haben: den Bildhauermeister Manfred Messing sowie den Grafiker und Illustrator Jürgen Pankarz, dazu unsere Museumsdirektorin des Abteibergmuseums, Susanne Titz, die uns das Kunstwerk vorstellen wird und unsere Gastgeberin die Schulleiterin der Theo-Hespers-Gesamtschule, Raphaela Hahn. Und nicht zuletzt begrüße ich ganz herzlich die Familie Hespers, an ihrer Spitze den Sohn von Theo Hespers, Dietrich Hespers, und den Enkel Dirk Hespers, die heute den musikalischen Rahmen unserer Feier gestalten.

Zum Abschluss begrüße ich die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Medien.

 

Ferdi HoerenDank sagen möchte ich im Namen der Theo-Hespers-Stiftung den Mitgliedern des Theo-Hespers-Denkmalvereins, die gespendet und gesammelt haben, dem Landschaftsverband Rheinland, der die Hälfte der Kosten übernommen hat, was die Realisierung erst ermöglichte.

Mein Dank gilt jedoch auch den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die theoretisch und praktisch die Umsetzung geleistet haben, an ihrer Spitze der Dezernent Dr. Gerd Fischer, der heute verhindert ist, und der Vorstand der städtischen Gesellschaft „mags“ Hans-Jürgen Schnaß.

Und nun zum Schluss, meine sehr verehrten Damen und Herren, gestatten Sie mir eine gesellschaftspolitische Bemerkung. Seit anderthalb Jahren ist die Welt in Unordnung und wirkt auf viele Menschen bedrohlich oder gefährlich und viele fürchten sich. In dieser Situation haben wir morgen in zwei Wochen Bundestagswahl, eine entscheidende Wahl. Ich erlaube mir den Versuch, mir vorzustellen, was Theo Hespers zu uns sagen würde, wenn er hier stände. Ich glaube, er würde sagen: „Geht alle zur Wahl, gebt Eure beiden Stimmen demokratischen Kandidatinnen und Kandidaten und deren Parteien, aber gebt keine Stimme denjenigen, die menschverachtende oder grundgesetzwidrige Parolen verbreiten.“ Ich danke Ihnen.


Hans Wilhelm Reiners

Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach

– Es gilt das gesprochene Wort –

Hans Wilhelm Reiners Ferdi HoerenLiebe Familie Hespers,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass wir heute einen Gedenkstein für Theo Hespers enthüllen und seiner Bestimmung übergeben. Gerne begrüße ich hierzu auch die „Väter“ des Denkmals, Jürgen Pankarz, der die Stele entworfen hat und Manfred Messing, der sie nach diesem Entwurf gefertigt hat.

Ein Gedenkstein ist dort besonders gut platziert, wo er wahrgenommen wird. Und am besten wird er dort aufgestellt, wo es einen Bezug zum Umfeld gibt. Wo also könnte der Stein besser stehen, als an dieser Stelle, vor einer Schule, die den Namen „Theo-Hespers-Gesamtschule“ tragen wird? Es gibt bereits einen Gedenkstein für Theo Hespers auf dem Zentralfriedhof. Einem Ort, der der Vergangenheit und der Erinnerung gewidmet ist, der Ruhe und der Besinnung.

Das Denkmal, das wir heute enthüllen steht hingegen an einem Ort der Jugend, des Lernens und der Zukunft. An dieser exponierten Stelle rückt es täglich in den Blick junger Menschen, die ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft noch finden müssen. Die Erinnerung an Theo Hespers kann dabei von Bedeutung sein. Er kann und soll als Vorbild dienen.

Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt sind leider nicht nur Schrecken der Vergangenheit. Sie finden sich in unserem Alltag wieder, in unserer Gesellschaft und unserem Miteinander. Sie machen auch vor dem Schulhof und den Klassenzimmern nicht halt. Um diesen Gefahren für die Demokratie entgegenzutreten, bedarf es einer gehörigen Portion Zivilcourage. Und Zivilcourage kann man lernen – besonders in jungen Jahren. Ein gutes Vorbild wird diesen Lernprozess positiv beeinflussen. Es kann helfen, unsere zentralen Wertüberzeugungen und sozialen Normen wie zum Beispiel Menschenwürde, Gerechtigkeit und friedliche Konfliktlösung zu schützen und sich persönlich für diesen Schutz zu engagieren.

Theo Hespers ist in einer katholischen Familie groß geworden. Er trat schon als Schüler der Jugendbewegung „Quickborn“ bei und hat sich früh mit den politischen und sozialen Fragen seiner Zeit beschäftigt. Seine Enkelin, die sich intensiv mit dem Leben ihres Großvaters auseinandergesetzt hat, schrieb über ihn:

„Theo Hespers war es nicht genug zu glauben. Er wollte leben, woran er glaubte. Kaum etwas ist dabei für die Nazis so gefährlich gewesen wie der Glaube an die Nächstenliebe.“

Diese Aussage bringt, glaube ich auf den Punkt, was Theo Hespers uns heute noch geben kann: Den Mut für den eigenen Glauben, die eigene Überzeugung – im Sinne der Nächstenliebe – einzustehen. Wenn junge Menschen dies erkennen und beherzigen, können wir positiv in die Zukunft blicken.

Heute vor 74 Jahren starb Theo Hespers, gehenkt von einem nationalsozialistischen, Regime dem er sich entgegengestellt hatte. Er wurde keine 40 Jahre alt. Es ist an uns, seinem Opfer auch weiterhin einen Sinn zu geben und unsere Werte zu wahren und die Errungenschaften der Demokratie zu schätzen und zu schützen.

Die Erinnerung an Mönchengladbachs bekanntesten Widerstandskämpfer wachzuhalten hat sich die Theo Hespers Stiftung zur Aufgabe gemacht. Dafür danke ich sehr herzlich. Ebenso danke ich allen Helfern und Unterstützern des Gedenkstein-Projektes.

Meinen besonderen Dank spreche ich dem Landschaftsverband Rheinland aus, der das Vorhaben großzügig unterstützt hat.


Susanne Titz

Direktorin des Museum Abteiberg

Susanne TitzIch muss zugeben, ich habe die Stehle heute zum ersten Mal gesehen. Aber ich habe den Entwurf in den vergangenen Wochen studiert und mir ist aufgefallen, wie gegenwärtig jetzt ein Denkmal, ein Mahnmal sein muss, damit es mehr ist, als das, was wir aus überkommenen Zeiten kennen, als ein klassisches Denkmal. Das Ganze ist etwas, das sich hier beispielhaft sehr gedreht hat; und ich fand bemerkenswert, dass der Antrag, den die Theo-Hespers-Stiftung an den Landschaftsverband Rheinland gestellt hat, einen sehr, sehr guten Begriff nannte: „vom Gedenken zum Denken”. Also was hilft es uns zu gedenken, was ist das Erinnern, was ist das ganze in die Vergangenheit Zurückdenken, wenn wir nicht darüber nachdenken, was das für heute bedeutet, und wenn wir nicht überlegen, was für eine Haltung da auch im Hintergrund einer Person sich befindet, die dort porträtiert ist. Und dies lässt sich weniger mit der Physionomie, also mit dem Aussehen einer Person, darstellen, als vielmehr mit dem, was eine Person vielleicht getan, was sie gesagt hat, wie sie gedacht hat - und da fängt das Problem an. Wenn Sie nämlich überlegen, Sie können ja eigentlich mit einer Stehle im öffentlichen Raum nur versuchen, irgendeine Annäherung herzustellen. Ich finde, das ist hier sehr beispielhaft und gut geworden.

Und vier Zitate von Theo Hespers, die wie aus einer Stehle herausgefallen oder geschnitten sind, die befinden sich jetzt hier unten am Boden. Die Ahnung davon, wer Theo Hespers gewesen ist, wird über einen Scherenschnitt – ich nenne es einfach einen Scherenschnitt, also einfach nur einen Riss des Profils dieses Menschen – dargestellt. Das ganz Entscheidende ist dabei, dass der Text ja auch im Grund – man könnte sagen - sich ausbreitet; und vielleicht ist auch dieses Gefallene des Textes so etwas, wie: Das sind die Fragmente dessen, was aus der Vergangenheit in die Gegenwart und vielleicht auch in die Zukunft geht. Da Sie alle, vermute ich, diese Texte noch nicht lesen konnten, möchte ich die vier Zitate von Theo Hespers kurz vorlesen:

"Das ist ja ursprünglich die Triebfeder zu Allem gewesen, dass ich die sozialen Forderungen Christi verwirklichen wollte."

“Ihr werdet, hoffe ich, die neue schöne Zeit erleben, nach der ich mich gesehnt habe.”

“Und sag meinen Freunden, dass ich niemanden verraten habe.”

Und schließlich herausgehoben von der Theo-Hespers-Stiftung das vielleicht wichtigste Zitat, das sich hier auf dem Feld befindet:

“Die Erneuerung der Lebensverhältnisse ist aber nur dann praktisch durchführbar, wenn ihr eine neue Gesinnung zu Grunde liegt.”

Ich denke, dieser Satz ist so komplex, dass ich ihn besser nochmal vortrage: “Die Erneuerung der Lebensverhältnisse ist aber nur dann praktisch durchführbar, wenn ihr eine neue Gesinnung zu Grunde liegt”.

Ein künstliches Denkmal in der heutigen Zeit zu machen, ein Mahnmal zu errichten, bedeutet eigentlich, die Denkmäler zu „wenden“. Es waren früher die Herrscher, es waren früher eigentlich immer diejenigen, die vielleicht eine Autorität, eine Macht oder sogar das Unrecht repräsentierten. Das hat sich gewendet, und darüber können wir, glaube ich, sehr glücklich sein. Es gibt seit einigen Tagen ein Denkmal für die Desertierten, ein Denkmal für diejenigen, die Widerstand geleistet haben, auch aus Mönchengladbach. Dieses Denkmal ist auf dem Hauptfriedhof - und es gibt ein weiteres hier, das dem Widerstandskämpfer gewidmet ist, der vielleicht am klarsten mit seinem Leben demonstrierte, was es bedeutet, ein Bürger zu sein und jemand, der aus der Nächstenliebe und aus dem bürgerlichen Handeln heraus für ein neue Gesellschaft kämpfte.

Aspekte, ein Leben, das wir uns hier vielleicht zurzeit kaum vorstellen können, aber vielleicht vorstellen können, wenn wir an andere Länder denken, wo nämlich auch diese Menschen existieren. Gerade in unserer Gegenwart ist es ein besonderes Mahnmal, und ich würde mir wünschen, dass an diesem Ort, der auch ein sehr besonderer Ort für ein Denkmal ist - eine Schule - dass das auch wirklich Zeichen für die Zukunft ist. Es wurde bereits gesagt - ich halte es für außerordentlich wichtig, dass ein solcher Name der Name einer Schule ist; und ich halte es für genauso wichtig, dass ein solches Denkmal nicht nur auf dem Friedhof, sondern dass es mitten in der Stadt oder an solch einem Ort zu sehen ist.

Ich wünsche der Theo-Hespers-Stiftung, dass sie weiter so aktiv ist, und dass sie dieses Denken wach hält, und nicht nur das Gedenken sondern auch das Denken. Und ich wünsche mir, dass viele junge Menschen ins Archiv gehen und daran mitwirken, dass man über dieses, was in der Geschichte geschah, immer neu nachdenkt und überlegt, was daraus folgend zu tun ist.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


Anschrift:

Theo-Hespers-Gesamtschule

Dülkener Straße 85

41068 Mönchengladbach

www.ge-stadtmitte.de


aus der Presse

focus.de

Denkmal für Theo Hespers enthüllt | Ein "Ort der Jugend, des Lebens und der Zukunft"

rp-online.de

Neuer Gedenkstein für Theo Hespers enthüllt

mg-heute.de

Gedenkstein an Theo Hespers enthüllt - Mönchengladbacher Widerstandskämpfer wurde am 74. Todestag geehrt

kuepperskommunikation.de

NEUE GESINNUNG

Bilder

www.ge-stadtmitte.de